Clearstream-Affäre: EADS-Manager in U-Haft
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In der Rufmordaffäre um angebliche Schwarzgeld-Auslandskonten französischer Politiker ist der EADS-Spitzenmanager Jean-Louis Gergorin heute in Untersuchungshaft genommen worden. Er gilt als Schlüsselfigur in der Clearstream-Affäre.

Der auf eigenen Wunsch beurlaubte Vizepräsident des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns sei verhaftet worden, nachdem er freiwillig zu einer Befragung bei der Polizei in dem Pariser Vorort Nanterre erschienen sei, sagte ein Justizvertreter.

Kontenliste erwies sich als falsch

Gergorin hatte eingeräumt, die anonyme Quelle hinter Informationen zu sein, die zu Ermittlungen gegen Politiker wie Innenminister Nicolas Sarkozy geführt hatten. Ministerpräsident Dominique de Villepin wurde vorgeworfen, in diesem Zusammenhang eine Rufmordkampagne gegen seinen Parteirivalen Sarkozy lanciert zu haben.

Eine Kontenliste mit Namen von Politikern, darunter auch dem von Sarkozy, erwies sich indes als falsch. Sie soll aber Villepin als Grundlage für Ermittlungen unter anderem gegen Sarkozy gedient haben.

Villepin unter Druck

Auf die angeblichen Geheimkonten sollen Schmiergelder im Zusammenhang mit dem Verkauf von Rüstungsgütern im Jahr 1991 geflossen sein. Mitte Mai hatte Gergorin Zweifel an der Erklärung Villepins aufkommen lassen, nur seine Pflicht getan zu haben. In einem Interview sagte er, Villepin habe die Untersuchung vor seinem Rivalen im Rennen um die Nachfolge von Präsident Jacques Chirac im kommenden Jahr zu verheimlichen versucht.

Gergorin hatte nach eigenen Worten die Affäre womöglich ins Rollen gebracht, als er Villepin vor zwei Jahren auf eine Liste mit verdächtigen Auslandskonten von Politikern hingewiesen habe. Der Name Sarkozy habe aber nicht auf der Liste gestanden. Villepin ist wegen der Affäre stark unter Druck geraten. EADS leitete
inzwischen Schritte ein, um Gergorin wegen der Affäre aus dem Unternehmen zu entfernen.
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