Filmische Annäherung

Einblicke in die Mongolei und die Innere Mongolei.
Die Sängerin Urna braucht viel Geduld bei ihrer Reise durch die Mongolei und durch die Innere Mongolei, die zu China gehört. Sie ist auf der Suche nach einer uralten Weise und sie will die zerstörte Pferdekopfgeige ihrer Großmutter restaurieren lassen.

Ein Weg mit Hindernissen, der die Musikerin in die Hauptstadt der Mongolei, Ulan-Bator, und in die weite Steppe des Hinterlands führt. Die in der Mongolei aufgewachsene und in Deutschland lebende Regisseurin Byambasuren Davaa setzt sich auch in "Das Lied von den zwei Pferden" mit Themen wie Tradition und Aufbruch, Natur und Profit, Spiritualität und Moderne auseinander.

Oscar-Nominierung für ersten Film
Mit ihrem ersten Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" hatte Davaa, die in München an der Hochschule für Film und Fernsehen studierte, gleich einen internationalen Erfolg gelandet: Das Werk erhielt 2005 eine Oscar-Nominierung in der Sparte bester Dokumentarfilm.

In der Geschichte geht es um eine Kamelmutter und ihr Junges in der Wüste Gobi und um uralte Rituale. Auch ihr zweiter abendfüllender Streifen "Die Höhle des gelben Hundes" spielt in der Mongolei. In die Schilderung des Lebens einer Nomadenfamilie fließt eine Fabel ein. Davaa sieht die drei Filme allerdings nicht als Trilogie.

"Nicht die heile Welt darstellen"
"In Das Lied von den zwei Pferden wollte ich bewusst einen anderen Ansatz wählen, nicht dieselben altbewährten ethnischen Denkmuster meiner anderen Filme wiederholen und nicht nochmals die heile Welt der Nomaden darstellen", sagt die 1971 geborene Regisseurin im Presseheft.

"Mein Ziel ist es, dass sich der Zuschauer auf Urnas Perspektive auf mein Land einlässt. Dadurch wird er den Menschen in der heutigen Mongolei viel näher kommen als in meinen beiden ersten Filmen."

Suche nach Gold und schnellem Profit
Auch diesmal gibt es Bilder, die das Publikum erwartet - galoppierende Pferdeherden, die Weite der Steppe und Jurten.

Doch Davaa malt keine klischeehafte Idylle: Sie zeigt die Armut in Ulan-Bator - Menschen, die auf riesigen Müllbergen nach Verwertbarem suchen. Sie weist darauf hin, wie immer mehr Weiden in Minen umgewandelt werden, um nach Gold zu suchen und schnellen Profit zu machen.

Dabei wirkt das Dokudrama, wie Davaa es nennt, unaufdringlich und nie plakativ, es nimmt sich Zeit für die Geschichte.

Tradition als Schatz
Urna, gespielt von der Sängerin Urna Chahar-Tugchi, kommt aus der zu China gehörenden Inneren Mongolei. Sie trägt ein traditionelles Gewand und wird deswegen in dem nach Urbanität und Moderne strebenden Ulan-Bator zunächst für eine Touristin gehalten.

Die Hauptfigur will Altes bewahren und sieht überlieferte Traditionen als Schatz, den es zu schützen gilt.

Der lange Weg zum Ziel
Schließlich macht sich Urna ins Hinterland auf, Viehhirten bewirten sie und können kaum glauben, dass sie für ein paar Pferdehaare, die der Geige der Großmutter als Saiten dienen sollen, so weit gereist ist.

Bei der Suche nach dem Lied von den zwei Pferden können die Nomaden nicht helfen, ebenso wenig wie ein Geigenbauer, ein traditionelles Orchester, eine Hochzeitsgesellschaft und ein Schamane. Erst eine alte Frau erinnert sich.

Urna ist am Ziel: Sie hat das Lied gefunden, auch die Pferdekopfgeige - ein Symbol für die nationale Identität der Mongolen - ist wieder ganz.

Die Tücken des SMS-Versendens
Der Film lebt auch von den authentischen Darstellern, so ist die alte Frau (Chimed Dolgor) keine Schauspielerin, sondern eine echte Sängerin, auf die das Team per Zufall stieß.

Die Liebeserklärung der Regisseurin an ihre Heimat ist einfühlsam und durchaus humorvoll: So wird ein Handy kurzerhand in die Luft geworfen ("das Netz ist irgendwo da oben"), weil das Versenden einer SMS am Boden nicht klappt.

Iris Auding, dpa

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