Die vom ORF mitproduzierte Dokumentation, die bereits auf der Diagonale vorgestellt wurde und auch international bereits Beachtung fand, zeigt das Schicksal junger Asylsuchender, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind - und schaut dabei nicht nur auf den Umgang der Behörden mit den jungen Menschen, sondern folgt ihnen unaufdringlich beim Versuch, ein neues Leben fernab der Heimat zu finden.
Ein Film auf der Suche nach den Grenzen
Den Titel "Little Alien" begründete die junge bosnische Filmemacherin, die selbst vor 17 Jahren als Flüchtling nach Österreich kam, mit den vielfältigen Erfahrungen von Fremdheit, die diese jungen Menschen machen. Bei ihrer Arbeit ging sie bis an die Grenzen von Europa, filmte an der ukrainisch-slowakischen Grenze ebenso wie im griechischen Hafen Patras und der Stadt Athen und am Rande der spanischen Enklave Ceuta.
Teilweise kamen die Bilder unter abenteuerlichen Bedingungen zustande. So wurde in Marokko Filmmaterial beschlagnahmt. Aber, so erinnerte Kameramann Christoph Hochenbichler
bei der Premiere: Auch in Österreich sei man mit der Tatsache konfrontiert gewesen, dass viele diesen Film nicht wollten.
Keine Scheu vor beklemmenden Bildern
Zwei Jahre haben Kusturica und ihr Team an diesem Film gearbeitet. Kusturica versucht aus dem Blickwinkel einer jungen Generation das Thema Asylsuche aufzuarbeiten. Sie scheut dabei nicht beklemmende Bilder - zugleich widmet sie sich ihren jungen Protagonisten mit großer Zuneigung.
Der Film oszilliert zwischen einer grundsätzlichen Betrachtung der Themen Asyl und Flucht - zugleich widmet er sich aber den Einzelschicksalen. Vor allem auf die Barrieren schaut Kusturica immer wieder ganz genau. Etwa, wenn sich die Geflüchteten mit für sie unverständlichen Begriffen wie Devolutionsantrag, subsidiärer Schutz, weiße Karte, erstauszustellender Bescheid, Paragraf 8 auseinandersetzen müssen.
"Problematisch war es zu lernen, dass auch die Helfer, so gutwillig sie auch sind, auf der anderen Seite stehen", erläuterte Kusturica im Vorfeld der Premiere.
Botschaft an die Jungen
Mit dem Film, der nun in den Kinos läuft, möchte man vor allem eine junge Generation erreichen - wohl auch, um zu zeigen, dass Jugendliche aus Afghanistan und Afrika in recht ähnlichen Gefühlswelten leben wie jene aus Mitteleuropa.
Kusturica geht deshalb mit dem Film auf Tour und will vor allem Schülerinnen und Schüler erreichen. Aus dieser Begegnung könnte sich, gerade mit einem Film, der die Sprache der Popkultur beherrscht, ein neues Verständnis für ein politisch plakativ abgehandeltes Thema ergeben.
Gerald Heidegger, ORF.at
Programmhinweis:
Begleitend zum Kinostart finden in mehreren Städten Podiumsdiskussionen statt, bei denen die gesetzlichen Hintergründe zu "Little Alien" ebenso diskutiert werden wie die immer strenger werdende Asylgesetzgebung und die Situation von Migrantinnen und Migranten in Österreich und der EU.
Die Diskussionen finden jeweils nach dem Film statt.
Linz, Mittwoch, 28. Oktober, 19.30 Uhr im Moviemento
Thema: Asyl - zwischen Polemik und Würde
Es diskutieren: Sonja Ablinger (Nationalratsabgeordnete, SPÖ), Helmut Sax (BMI), Nina Kusturica, Gerhard Wallner (Diplomsozialarbeiter, angefragt), Moderation: Corinna Milborn (Journalistin)
Wien, Donnerstag, 29. Oktober, 19.30 Uhr im FilmcasinoThema: Europas grausame Grenzen und österreichisches Asyl
Es diskutieren: Nadja Lorenz (Anwältin), Heinz Fronek (asylkoordination Österreich), Alev Korun (Nationalratsabgeordnete, Grüne), Nina Kusturica, Moderation: Sibylle Hamann (Journalistin)
Links: