Die Sprachvielfalt in Papua-Neuguinea spricht Bände über die Eigenständigkeit der Stämme: Unter den rund 5,5 Millionen Einwohnern werden rund 800 verschiedene Sprachen gesprochen - etwa ein Fünftel aller lebenden Sprachen auf der ganzen Welt.
Geteilte Insel
Der seit 1975 unabhängige Staat besteht aus der östlichen Hälfte der Insel Neuguinea und vielen Inselgruppen. Die Westhälfte der Insel gehört zu Indonesien. Etwa drei Viertel der Einwohner leben von Landwirtschaft, die jedoch nur der Selbsterhaltung dient.
Das einzige nennenswerte Exportgut neben landwirtschaftlichen Produkten ist Gold. Arbeitsteilige Wirtschaft spielt jedoch kaum eine Rolle: Weite Teile der Bevölkerung verweigern die Landeswährung Kina und halten sich an die traditionelle Muschelgeld-Währung.
Staatliche Muschelgeld-Wechselkurse
Auch das Muschelgeld ist ein Beispiel für den vergeblichen Kampf der Staatsbehörden gegen die Tradition. Nachdem der Staat jahrelang den Kina durchsetzen wollte, gab er 2002 nach und eröffnete eine Muschelgeld-Bank mit staatlich fixierten Wechselkursen zum Kina.
Das Problem eint die geteilte Insel: Das Konfliktpotenzial der muslimischen Regierung von Indonesien mit den Stämmen auf der Westhälfte von Neuguinea ist sogar noch größer. Anfang des Jahres versuchte sie die Bevölkerung mit einem Anti-Pornografie-Gesetz zu "zähmen".
Unterhosenpflicht per Gesetz
Das Gesetz stand in vielerlei Hinsicht im Widerspruch zu jahrhundertelang gepflogenen Sitten. So sollten etwa nackt im Urwald lebende Stämme zum Tragen von Unterhosen gezwungen werden. Auch viele Stammesriten, traditionelle Tänze und Fetische sollten verboten werden.
Besonders brisant war daran, dass das Gesetz auch Zivilisten erlaubte, nach eigenem Gutdünken Anstandswächter zu spielen. Ängste, dass damit Islamisten ein Freibrief zu Selbstjustiz ausgestellt würde, haben sich jedoch nicht bestätigt.
Einmal mehr erfolglos
Die Auswirkungen des Gesetzes blieben jedoch - wie bei ähnlichen Versuchen in der Vergangenheit - gering. Selbst die indonesischen Behörden räumten ein, dass nur die wenigsten in Neuguinea überhaupt von der Existenz des Gesetzes wüssten.
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