Die Ikone der US-Liberalen

Edward reichte die "Fackel" der Kennedys vergangenes Jahr an Obama weiter.
Der am 25. August verstorbene US-Senator Edward "Ted" Kennedy war das jüngste von neun Geschwistern. Er übernahm nach dem Tod seines zweiten Bruders Robert 1968 die Rolle des Patriarchen im Kennedy-Clan.

Erst Anfang August war Edward Kennedys Schwester Eunice Kennedy Shriver gestorben. Die Vorkämpferin für die Akzeptanz von Behinderten war 88 Jahre alt geworden. Von den neun Geschwistern lebt jetzt nur noch Jean Kennedy Smith.

Der "Fluch" des Clans
Fast 50 Jahre vertrat er den Bundesstaat Massachusetts im US-Senat. Seine drei Brüder starben alle eines gewaltsamen Todes: Joseph junior fiel im Krieg, John F., der 1961 Präsident geworden war, wurde 1963 ermordet, Robert fiel 1968 im Präsidentschaftswahlkampf einem Attentat zum Opfer. So entstand das geflügelte Wort vom "Fluch des Kennedy-Clans".

Edward Kennedy wurde am 22. Februar 1932 in Boston geboren. Er studierte Jus und absolvierte die Eliteuniversität Harvard. Seinen Senatssitz "erbte" er 1962 von seinem großen Bruder John, nachdem dieser Präsident der USA geworden war.

Keine Präsidentschaftsambitionen nach Unfall
Doch der nach dem Tod seiner Brüder vorgezeichnete Weg an die Spitze der US-Politik endete jäh auf der Insel Chappaquiddick. Dort trug sich im Juli 1969 ein tragischer Autounfall zu, bei dem die junge Assistentin Mary Jo Kopechne ertrank.

Kennedy überlebte und wurde wegen Fahrerflucht zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Vorfall zog einen Schlussstrich unter seine Ambitionen auf die Präsidentschaft. Der Letzte der Kennedy-Söhne wurde nie von der Demokratischen Partei zum Kandidaten gekürt.

Soziales Gewissen
Dennoch wurde Kennedy bei den Demokraten und im Kongress zu einer unumgänglichen Größe. Er galt als Vertreter des linken Flügels seiner Partei und setzte sich stets vorrangig für soziale Belange ein. Bildung und Gesundheitswesen lagen ihm besonders am Herzen.

1971 wurde er Vorsitzender des Senatsunterausschusses für Gesundheit, sieben Jahre später kämpfte er an der Spitze des Justizausschusses für den Zugang von Frauen und Minderheiten zu den juristischen Berufen. Im Jahr 1994 wurde er Vorsitzender des Arbeitsausschusses im Senat und leitete eine grundlegende Reform des Wohlfahrtsstaates.

Schwergewicht in der US-Politik
Seine Rolle als Patriarch des Kennedy-Clans spielte er bald mit großer Selbstverständlichkeit, so auch beim tragischen Unfalltod seines Neffen John Fitzgerald junior 1999, der bei einem Flugzeugabsturz starb.

Edward vertrat seine Dynastie seit Jahrzehnten mit Nachdruck. Sein Wort hatte Gewicht, so zum Beispiel seine scharfe Kritik an Präsident George W. Bush, dessen Einmarsch in den Irak er als "größten diplomatischen Fehler der US-Geschichte" bezeichnete.

Obama als "würdiger Nachfolger"
Gemeinsam mit seiner Nichte Caroline erklärte er im Jänner 2008 den damaligen Präsidentschaftsbewerber Obama zum würdigen Nachfolger für seinen ermordeten Bruder John.

Beim Parteitag der Demokraten vor einem Jahr, als Obama dann offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, sorgte Kennedy - von seiner Krankheit schwer gezeichnet - für den emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung. Den Mythos der Familie Kennedy reichte er an Obama weiter: "In diesem November wird die Fackel an eine neue Generation übergeben", sagte Kennedy, und deren Träger sei Barack Obama.

"Das Werk beginnt von Neuem, die Hoffnung wächst, der Traum lebt fort." Und er versprach, bei der Angelobung Obamas - dessen Sieg schien ihm sicher - dabei zu sein. Dieses Versprechen machte er auch wahr. Doch Edward brach beim Mittagessen zur Amtseinführung Obamas zusammen - eine Schrecksekunde bei den Feierlichkeiten.

Die nächste Generation?
Ob die Kennedys auch in der Zukunft die US-Politik mitgestalten können oder der Clan mit dem Tod Edwards von der Bildfläche verschwindet, ist offen.

Zumindest Ambitionen hat auch die nächste Generation: Edwards Sohn Patrick wurde 1995 zum Abgeordneten des Repräsentantenhauses von Rhode Island gewählt, Roberts Tochter Kathleen Kennedy Townsend trat 2002 - allerdings erfolglos - für das Amt der Gouverneurin von Maryland an.

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