Rapamyzin (auch Sirolimus oder Rapamune genannt) verdankt seinen Namen der Osterinsel, die von den Einheimischen Rapa Nui genannt wird. Der Wirkstoff dämpft das Immunsystem und wird bereits bei Transplantationen zur Verhinderung der Abstoßung fremder Organe eingesetzt.
Hoffnung für "Säugetiere"
Somit ist Rapamycin der erste bekannte Stoff, der die Lebenserwartung von Säugetieren erhöhen könnte. Bisher waren ähnliche Effekte nur bei Fadenwürmern und Hefen festgestellt worden.
Rapamycin ist ein Stoffwechselprodukt des Bodenbakteriums Streptomyces hygroscopicus, das erstmals auf der Osterinsel entdeckt wurde - mehr dazu in science.ORF.at.
Probleme brachten Überraschung
Im Rahmen eines amerikanischen Anti-Aging-Programms wurden Rapamycin und andere Substanzen auf ihre lebensverlängernde Wirkung geprüft, wie Davis Harrison vom Jackson Laboratory in Bar Harbor (US-Bundesstaat Maine) berichtete.
Aufgrund von Problemen, den Stoff in die Nahrung von Mäusen einzubauen, verzögerten sich die Versuche allerdings, und die Testmäuse waren deutlich älter als geplant. Das Ergebnis überraschte die Forscher: Die 20 Monate alten Tiere, die einem Menschenalter von etwa 60 Jahren entsprachen, lebten im Durchschnitt neun (Männchen) bzw. 14 Prozent (Weibchen) länger als die Kontrolltiere.
Umgerechnet auf ihre Lebenserwartung zur Zeit der Behandlung entspricht das einer Verlängerung um 28 bzw. 38 Prozent. In einer zweiten Studie, die noch läuft, gaben die Forscher den Mäusen bereits ab einem Alter von neun Monaten den Wirkstoff. Auch bei ihnen sei eine Verlängerung der Lebenszeit bereits nachgewiesen.
Wirkweise noch unbekannt
Die Wirkweise des Mittels ist bisher unbekannt. Die Forscher vermuten aber, dass der "mTOR"-Signalweg eine entscheidende Rolle spielt. Dieser ist stark mit der Regulierung der Nahrungsaufnahme verknüpft.
Bereits seit langem ist bekannt, dass weniger Kalorien die Lebenserwartung bei Mäusen steigern. Rapamycin scheint am gleichen biochemischen Mechanismus anzugreifen. Die Versuchstiere, die Rapamycin erhalten hatten, waren aber nicht leichter als die Kontrolltiere.
Forscher warnen vor Einnahme
Ob der "Jungtrunk" auch bei Menschen wirkt, ist freilich noch offen. Matt Kaeberlein und Brian Kennedy von der Universität in Seattle warnten gesunde Menschen ausdrücklich davor, das Medikament zur Lebensverlängerung zu nehmen.
Die möglichen Nebenwirkungen des Wirkstoffs, der Immunreaktionen unterdrückt und zellabtötend wirkt, seien "ausreichend, um zur Vorsicht zu raten".
Alterstypische Krankheiten verlangsamen
Die Entdeckung weckt gleichwohl Hoffnungen, ähnliche Wirkstoffe ohne Nebenwirkungen herzustellen, die eine Entwicklung von alterstypischen Krankheiten zumindest verlangsamen. Denn die Obduktion der Mäuse zeigte, dass sie zwar länger lebten, aber letztlich an denselben Krankheiten starben wie die nicht behandelten Nager.
Laut den Studienautoren könnte der Wirkstoff möglicherweise die Entwicklung von Krebs und diversen Alterserscheinungen bremsen.
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