Mehr als nur Glamour und Stars

Erste große Porträtausstellung des Pop-Art-Stars im Pariser Grand Palais.
Das Marilyn-Porträt von Andy Warhol gehört zu den bekanntesten Porträts des US-Pop-Art-Künstlers. Doch nur wenige kennen wirklich seine umfangreiche Porträtmalerei.

Unter dem Titel "Die große Welt Andy Warhols" zeigt das Pariser Grand Palais mit rund 250 Werken weltweit die erste große Porträtausstellung des Künstlers. "Noch nie wurden in einem Museum so viele Porträts zusammen gezeigt", sagte der Kurator Alain Cueff.

YSL-Porträts wieder abgehängt
Unter den bis zum 13. Juli ausgestellten Exponaten hätten eigentlich auch einige Porträts des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent zu sehen sein sollen.

Doch Pierre Berge, dessen langjähriger Lebensgefährte, ließ sie in letzter Minute wieder abhängen, weil ihm ihr Platz in der Nähe anderer Couturiers missfiel.

Nicht monoton
Die Ausstellung ist gleich in doppelter Hinsicht gelungen. Sie ist dank einer abwechslungsreichen Präsentation, die mit Räumen und Nischen spielt, nicht monoton, was bei 250 Porträts in Siebdrucktechnik zu befürchten gewesen wäre.

Gleichzeitig beleuchtet sie die Arbeit unter einem bisher weitgehend unbekannten Aspekt: der religiösen Erziehung Warhols und seiner Beziehung zu Bildern.

Immer gleich und doch verschieden
Warhol gehörte einer orthodox-katholischen Kirche an und ging als Kind regelmäßig in den Gottesdienst. Seine Vorliebe für Porträts sei deshalb in der orthodoxen Ikonografie zu suchen.

"Wie bekannt ist, gibt es in der Ikonographie eine bestimmte Anzahl von Darstellungen der Gesichter Jesu Christi, der Jungfrau Maria und Heiliger, die von jeglichem Kontext losgelöst sind und wo das Prinzip der Wiederholung Teil der Ikonographie ist. Das scheint mir, besonders im Fall der Marilyn-Porträts, ein ganz und gar wesentlicher Sachverhalt, um die Vervielfältigung dieses Gesichts zu erklären, das immer gleich und dennoch immer verschieden ist", sagte der Kurator.

Stars neben Nonames
Unter den Porträts befinden sich ebenso viele unbekannte Persönlichkeiten wie Weltstars. So hängt neben Brigitte Bardot das 1963 entstandene Porträt von Ethel Scull, der Ehefrau eines der Sammler Warhols und sein erstes Auftragsporträt.

Das Werk ist in der Porträtkunst Warhols wichtig, denn bis zu diesem Zeitpunkt malte der Künstler ausschließlich legendäre Personen wie Monroe, Liz Taylor und Jackie Kennedy.

Mao-Installation teilweise rekonstruiert
Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist das riesige Bild von Mao Tse-tung, das in der Mitte eines Saals thront.

Es handelt sich um eine teilweise Rekonstruktion der Mao-Ausstellung aus dem Jahr 1974 im Pariser Galliera Museum, die als riesige Installation angelegt war: Sie vereinte auf rund 740 Quadratmeter Wandfläche vier riesige Werke von rund 4,50 Meter Höhe, 51 Werke mittleren Formats, sieben Zeichnungen und 40 Lithographien.

Porträt der Mutter als Abschluss
Einzigartig ist auch das Werk, mit dem die Ausstellung abschließt: das Porträt von Julia Warhola. Der Künstler, der eigentlich Andrew Warhola hieß, malte nur selten Bilder seiner Familie.

Seine Mutter spielte eine wichtige Rolle im Leben des Künstlers, denn sie vermittelte ihm nicht nur seine religiöse Erziehung, sondern brachte ihm auch das Zeichnen bei.

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