Gute versteckte Referenzen

Obama berief sich indirekt auch auf republikanische Vorgänger.
Von Franklin D. Roosevelt über Martin Luther King und Ronald Reagan bis zu Bill Clinton: Der neue US-Präsident Barack Obama hat in seiner Antrittsrede viele historische Anleihen genommen und Anspielungen gemacht.

Anders als in früheren Reden hat er seine Referenzen aber großteils geschickt im Text versteckt und verändert.

Antwort auf Reagan
Obamas Satz "Amerikas Ideale leuchten noch immer in der Welt" war auch ein von Ronald Reagan gern gebrauchter Satz. Ein anderes Zitat des früheren US-Präsidenten wandelte Obama hingegen um. So hatte der Republikaner Reagan 1981 mit der Parole "Die Regierung ist nicht die Lösung des Problems, die Regierung ist das Problem" für weniger Staat geworben.

Die Replik des Demokraten Obama lautete nun 2009: "Die Frage, die sich heute stellt, ist nicht, ob die Regierung zu groß oder zu klein ist, sondern ob sie funktioniert."

Verweis auf Lincoln, Roosevelt, JFK
Zudem gab es in Obamas Rede laut einer Analyse des Senders CNN Verweise auf Abraham Lincoln, das politische Idol Obamas, das für die Abschaffung der Sklaverei gekämpft hatte. Der Schlüsselsatz, dass die Amerikaner die Hoffnung über die Angst gestellt haben, sei eine Anspielung auf Roosevelt, der Amerika durch die bisher tiefste Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren geführt hatte.

In der "New York Times" meinen Experten auch Hinweise auf die Antrittsrede von John F. Kennedy entdeckt zu haben, vor allem in der direkten Ansprache gewisser Personengruppen wie anderer Staaten. Gleich Obamas erster Satz habe zudem an die Antrittsrede George Washingtons erinnert, meint die "Washington Post".

Von Paine inspiriert
Mit am stärksten inspiriert war die Rede Obamas von Thomas Paine, einem der Gründungsväter der Vereinigten Staaten. Obama zitierte am Ende seiner Rede sogar eine Passage Paines aus dessen Essay "Die Krise" (1776) direkt.

Damit erneuerte er Paines Appell in schweren Zeiten: "Lasst es der künftigen Welt gesagt sein (...), dass in den Tiefen des Winters, als nichts außer Hoffnung und Tugend überleben konnte (...), die Stadt und das Land, alarmiert von einer gemeinsamen Bedrohung, zusammenkamen, um gegen sie anzugehen."

Paines Werk "Common Sense" hat die Unabhängigkeitserklärung maßgeblich beeinflusst, als Mitglied der Nationalversammlung in Paris entkam er während der Französischen Revolution nur knapp der Vollstreckung des von Robespierre veranlassten Todesurteils.

Shakespeare und Ginger Rogers
Adaptiert hat Obama zwei Formulierungen aus der Bibel wie auch die Zeile "Winter unseres Missvergnügens" aus William Shakespeares "Richard III.", meint CNN.

Das wohl überraschendste Zitat stammt aber aus einem Hollywood-Film: Der Satz "Von heute an müssen wir uns aufraffen, uns abstauben und wieder mit der Arbeit beginnen" stammt aus dem Tanzstreifen "Swing Time" mit Fred Astaire und Ginger Rogers aus dem Jahr 1936.

Kaum Anspielungen auf Martin Luther King
Wie CNN analysierte, versuchte Obama bewusst, nicht zu viele Verweise auf den Vorkämpfer gegen die Diskriminierung der Schwarzen in den USA, Martin Luther King, zu machen.

Eine Passage war dennoch ein Verweis auf Luther King, der in seiner berühmten "I have a dream"-Rede am 28. August 1963 zum Schluss die Hoffnung geäußert hatte, dass eines Tages "alle Kinder Gottes - schwarze und weiße Menschen, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken - sich die Hände reichen und die Worte (...) singen können: 'Endlich frei, endlich frei, großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!'"

Obamas Feststellung 46 Jahre nach Luther Kings Worten lautete nun: "Wir sind eine Nation aus Christen, Muslimen, Juden, Hindus und Nicht-Gläubigen."

Irritation in China
In China wird die Passage intensiv diskutiert, in der sich Obama an die politischen Führer wandte, "die sich durch Korruption und Täuschung oder dadurch an die Macht klammern, dass sie abweichende Meinungen zum Schweigen bringen". Obama rief ihnen vom Kapitol zu: "Ihr sollt wissen, dass ihr auf der falschen Seite der Geschichte steht, aber dass wir eine Hand ausstrecken werden, wenn ihr eure Faust öffnet."

Die Formulierung ist von Ex-Präsident Bill Clinton "ausgeliehen", der 1997 dem damaligen chinesischen Staatschef Jiang Zemin sagte, mit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 "auf der falschen Seite der Geschichte" zu stehen.

In China wurde die Rede zudem zensiert: Bei Obamas Worten, frühere Generationen von Amerikanern hätten "den Kommunismus und Faschismus nicht nur mit Raketen und Panzern, sondern auch mit stabilen Bündnissen und festen Überzeugungen" überwunden, brach der staatliche chinesische Fernsehsender nach dem Wort "Kommunismus" ab, stattdessen folgte ein Experteninterview.

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