Mit "Derrick" TV-Geschichte geschrieben

Tapperts Frau: Ging ihm bis vor kurzem gut.
Der Schauspieler Horst Tappert ist tot. Er starb bereits am Samstag im Alter von 85 Jahren in einer Münchner Klinik. Seine Frau Ursula bestätigte am Montag der Deutschen Presse-Agentur einen Bericht der Illustrierten "Bunte". Tappert schrieb vor allem als Hauptdarsteller in der von ZDF, ORF und SF gemeinsam produzierten Krimiserie "Derrick" TV-Geschichte.

"Er hatte ein erfülltes Leben"
Ursula Tappert sagte, ihrem Mann sei es bis vor kurzem noch gutgegangen, er sei voller Zuversicht gewesen. Doch in den letzten Tagen habe sich sein Zustand zusehends verschlimmert.

"Näheres zu seinem Krankheitsverlauf möchte ich nicht sagen", fuhr sie fort. "Es ist traurig, aber jetzt hat er seine Ruhe. Mein Mann hatte ein erfülltes Leben."

Letztes Interview im Mai
Im Mai 2008 hatte Tappert der "Bunten" zu seinem 85. Geburtstag sein letztes Interview gegeben. "Ich lebe sehr zurückgezogen", sagte er damals.

"Mag sein, dass ich mich seltsam anstelle, aber ich schätze die Ruhe mit meiner Frau. Kontakt mit alten Kollegen pflege ich auch nicht mehr, die meisten sind ohnehin schon tot. Ich will noch einige Zeit da sein."

Weltweite Fangemeinde
Ein Vierteljahrhundert lang gab Tappert in 281 Folgen den Münchner Kommissar und erspielte sich eine weltweite Fangemeinde. Die erfolgreichste deutsche Serie wurde etwa auch in China, Australien und Italien zu einem Renner.

Sogar Papst Johannes Paul II. entspannte sich bei der einen oder anderen Folge. Die Berühmtheit verlangte ihren Tribut: Wo Tappert auftauchte, wurde er wie ein Popstar von seinen Fans umringt.

"Harry, hol schon mal den Wagen"
Einer seiner treuesten Wegbegleiter war Fritz Wepper, der "Derrick" als Partner Harry Klein zur Seite stand. "Harry, hol schon mal den Wagen!", wurde zum geflügelten Wort, auch wenn dieser Satz in der Serie so nie fiel. "Er ist später dann der einzige Schauspieler gewesen, der Fanclubs im Ausland hatte", sagte der Münchner "Derrick"-Produzent Helmut Ringelmann.

Auch in der Politik wusste man Tapperts Popularität zu schätzen, polierte der Schauspieler doch nach dem Zweiten Weltkrieg das Image der Deutschen im Ausland gewaltig auf. Dafür erhielt er sogar das deutsche Bundesverdienstkreuz.

Endgültiges Aus 1998
Wenn es Schauspieler-Gene gäbe, wäre bei ihm nur ein ganz kleiner Teil für die Rolle des Münchner Kommissars reserviert, etwas mehr für Charakterrollen und der größte Teil für alles, was komisch ist, schrieb er in seiner 1998 veröffentlichten Autobiografie "Derrick und Ich. Meine zwei Leben".

Doch komisch oder nicht - das Publikum liebte Tappert. Als er 1998 als Kommissar aufhörte, war die Enttäuschung groß. 2004 kehrte Derrick zurück - allerdings in einem Zeichentrickfilm fürs Kino mit den Stimmen von Tappert und Wepper. Doch zu großen Auftritten hatte der langgediente TV-Kommissar keine Lust mehr.

TV-Hinweis
In memoriam Horst Tappert zeigt ORF2 am Samstag um 11.00 Uhr und um 12.00 Uhr die erste und die letzte Folge von "Derrick", "Der Waldweg" (1974) und "Das Abschiedsgeschenk" (1998).

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