Page war in den 50ern mit Aktfotos bekanntgeworden und gilt heute nicht nur als Ikone des Pin-up, sondern auch als Wegbereiterin der sexuellen Revolution der 60er - oder wie es Roesler formulierte: Page habe mit ihrem unabhängigen Geist und ihrer Sinnlichkeit eine ganze Generation Männer gefangen genommen.
Schneller Rückzug
Pages Karriere und ihr Privatleben verliefen durchaus turbulent. 1955 posierte sie als Miss January für den "Playboy" und wurde ein Star, dessen Abbildung Poster, Karten und Sammelalben zierte. Nur zwei Jahre später zog sie sich aus dem Modelgeschäft zurück, wandte sich der Religion zu und verschwand fast vollkommen aus der Öffentlichkeit.
Ab den 80ern erlebte sie ein spätes Comeback: Eine neue, von den "Rockin' Fifties" besessene Generation entdeckte die attraktive Frau mit der schwarzen Haarmähne, den tiefen blaugrauen Augen und dem breiten Lächeln für sich. Mehrere Dokumentationen ("Betty Page: Pinup Queen", 1998) und Spielfilme ("Bettie Page: Dark Angel", 2004, und "The Notorious Bettie Page", 2005) beschäftigten sich mit ihrem Leben.
Aufmerksamkeit nicht verstanden
Page sagte später, sie habe die Aufmerksamkeit, die ihr geschenkt wurde, nie verstanden und sich selbst für besonders attraktiv gehalten. Nach ihrer Hinwendung zu Gott habe sie sich außerdem für ihre Nacktfotos geschämt, sagte sie.
"Das meiste Geld, das ich besitze, verdanke ich den Nacktfotos. Ich schäme mich heute nicht mehr dafür - aber ich verstehe es noch immer nicht", sagte sie wenige Monate vor ihrem Tod dem "Playboy".
Vom Vater missbraucht
Betty Mae Page wurde am 22. April 1923 in Nashville geboren. Teile ihrer Kindheit verbrachte sie in einem Kinderheim, nachdem ihr Vater eine Haftstrafe absitzen musste - er hatte ein Polizeiauto gestohlen - und ihre Mutter die sechs Kinder nicht aus eigener Kraft versorgen konnte. Page bezeichnete ihren Vater später als "Sittenstrolch", der sie und ihre beiden Schwestern sexuell belästigt habe.
In den 40ern arbeitete sie als Lehrerin und Sekretärin und begann parallel dazu mit ihrer Arbeit als Fotomodell. Anfang der 50er kam sie mit einem Fotografen in Kontakt, der sich auf sadomasochistische Themen spezialisierte. Aus dieser Zeit stammen Fotos, die Page in High Heels und mit Peitsche zeigen.
Durchbruch im "Playboy"
Bilder des berühmten Pin-up-Fotografen Bunny Yeager landeten schließlich im "Playboy". Herausgeber Hugh Hefner sprach später von einem "Meilenstein in der Geschichte des Magazins": Die Fotos zeigten Page, wie sie nur mit einer Santa-Claus-Mütze bekleidet einen Christbaum schmückt und dabei in die Kamera winkt.
Nicht alle teilten Hefners Begeisterung: Der US-Senat zitierte sie zu einer Anhörung, bei der Zusammenhänge zwischen Pornografie und Jugendkriminalität aufgedeckt werden sollten. Page tauchte dort nie auf. Kurz danach gab sie als wiedergeborene Christin ihre Modelkarriere auf. Sie sei zudem von der Bundespolizei verfolgt worden, sagte sie später.
Diagnose: Schizophrenie
Ende der 70er hatte Page ein privates Tief: Nach einer mehrjährigen Anstellung beim bekannten US-Prediger Billy Graham in North Carolina und nach ihrer dritten gescheiterten Ehe zog sie nach Kalifornien, wo sie mehrmals in Streitereien mit Vermietern verwickelt war.
Ärzte bescheinigten ihr akute Schizophrenie, und sie verbrachte 20 Monate in einer psychiatrischen Klinik.
Keine Fotos
Ab den 90ern gab sie wieder gelegentlich Interviews, erlaubte aber keine Fotos. "Ich will in meinem hohen Alter nicht mehr fotografiert werden. Bei alten Filmstars sehe ich das ähnlich. Es macht mich traurig. Wir wollen sie als junge Menschen in Erinnerung behalten", erklärte sie einmal.
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