Folgen auf Bundesebene?

Bei der Bayern-Wahl droht der gesamten Union Gefahr.
Seit Jahrzehnten hat die CSU im Freistaat nicht derart um die Macht kämpfen müssen wie im Jahr eins nach dem quälenden Abschied von Ministerpräsident Edmund Stoiber. Das Spitzenduo mit Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein agiert zusehends nervös und unsicher.

Sie müssen am 28. September mit herben Verlusten bis unter die magische 50-Prozent-Marke rechnen. Selbst das Ende der seit 1962 dauernden CSU-Alleinregentschaft ist allen Erfolgsbilanzen zum Trotz nicht ganz auszuschließen.

Mehrheit in Bundesversammlung wackelt
Exakt ein Jahr vor der Bundestagswahl droht damit nicht nur der CSU eine neue Führungsdebatte, sondern der Union insgesamt ein empfindlicher Schlag. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) absolviert ein halbes Dutzend Kundgebungen.

Denn bei zu starken Stimmenverlusten der CSU wäre die knappe Mehrheit von Union und FDP in der Bundesversammlung und damit die Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler im kommenden Mai in Gefahr.

Probleme hausgemacht
Grund für die Krise der CSU sind weder die SPD, die in Umfragen zuletzt auf dem Tiefstand von unter 20 Prozent dahindümpelte, noch eine ausgeprägte Wechselstimmung, sondern hausgemachte Probleme.

"Der größte Feind der CSU ist nicht die Opposition, sondern die Lethargie im eigenen Lager", sagt der Politologe und langjährige CSU-Kenner Heinrich Oberreuter. Es fehle ein klares Zukunftsprogramm, und das Führungsduo könne nicht richtig begeistern.

Von Merkel ausgebremst
Huber und Beckstein kämpfen vor allem mit dem seit Ministerpräsident Franz Josef Strauß geltenden Anspruch der CSU, nur mit ihr bekämen die Bayern in der großen Bundespolitik den ihnen gebührenden Einfluss. Sie versuchten es mit der Kampagne für die alte Pendlerpauschale als zeitweise zentrales Wahlkampfthema, doch bremste sie die Kanzlerin kühl aus.

Einen Streit in der großen Koalition, die bei der CSU schon für die miese Stimmung bei den Wählern verantwortlich gemacht wird, wollte Merkel nicht riskieren. Auch der kürzlich von Huber ausgerufene "Kreuzzug" gegen die Linke wirkt bei den bayrischen Wählern nicht so richtig.

Bald "ganz normale Partei"?
So wird die CSU den Umfragen zufolge zwar wieder klar stärkste Partei. Doch dürfte am Wahlabend die Stimmung getrübt sein. Noch 2003 holte der voriges Jahr zum Rückzug gedrängte Stoiber ein Traumergebnis von gut 60 Prozent und zwei Drittel der Sitze im Landtag.

Der Mythos als unangreifbare Kraft in Bayern wäre dahin, selbst wenn am Ende auch 48 oder 49 Prozent erneut zur seit nunmehr 46 Jahren ungeteilten Macht reichen sollen. Doch das wäre das Ende des Mythos der CSU. "Mit 50 minus x wäre die CSU plötzlich eine ganz normale Partei", sagt der Münchner Politologe und Wahlforscher Michael Weigl.

Entmachtung unwahrscheinlich
SPD-Spitzenkandidat Franz Maget hat kaum Chancen auf die Regierungsbildung. Er müsste ein buntes Anti-CSU-Bündnis mit Grünen, Freien Wählern und FDP schmieden. Die Linke, die sich auch noch Hoffnungen auf den Einzug ins Maximilianeum macht, schließt er als Partner aus.

Sollte es für die CSU allein nicht reichen, kann diese aber auf die FDP oder die Freien Wähler mit der ehemaligen CSU-Rebellin Gabriele Pauly hoffen. Beide buhlen den Umfragen zufolge erfolgreich um vergrätzte CSU-Anhänger.

Messerwetzen nach der Wahl?
Für Huber und Beckstein würde es indessen eng. "Dann werden die Messer gewetzt", sagt ein CSU-Bundestagsabgeordneter. Der vor Jahresfrist gegen Huber gescheiterte CSU-Vize und Bundesagrarminister Horst Seehofer hat die Messlatte auf 52 Prozent gelegt und wird als Favorit für den Landesvorsitz gehandelt - wiewohl er jegliche Ambitionen bestreitet.

Beckstein gilt mit fast 65 Jahren CSU-intern bei vielen ohnehin als Mann des Übergangs. Auch Huber, dem nach der nächsten Bundestagswahl Ambitionen auf einen Ministerposten in Berlin nachgesagt werden, versprüht mit 62 Jahren nicht die erhoffte Aufbruchstimmung nach der langen Stoiber-Ära.

Andreas Möser und Irene Preisinger, Reuters

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