Ausnahmezustand in Teilen Englands

Schlimmstes Hochwasser in England in 60 Jahren.
Die Lage in den Hochwassergebieten im Westen und Süden Englands ist weiter angespannt. Rund 350.000 Haushalte mussten die Nacht auf Dienstag ohne Wasserversorgung auskommen, in zahlreichen Haushalten gab es auch keinen Strom.

Die Luftwaffe sprach von ihrem größten Einsatz in Friedenszeiten. Soldaten und Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Die Menschen fuhren mit Schlauchbooten auf den überfluteten Straßen, Feuerwehrwagen steckten im Wasser fest. Straßen wurden gesperrt, Zugsverbindungen waren unterbrochen.

Und Entwarnung ist nicht in Sicht: Für Mittwoch haben die Meteorologen erneut kräftigen Regen vorausgesagt.

Wasserversorgung bleibt noch aus
Die Medien berichteten von einer "Jahrhundertflut". Die Wasserstände der beiden größten Flüsse Großbritanniens, Severn und Themse, stiegen weiter. "Ich glaube, dass uns noch einiges bevorsteht", sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Umweltminister Hilary Benn sagte, weitere Überflutungen seien "sehr wahrscheinlich". Bis zu 10.000 Häuser sind bereits oder könnten überschwemmt werden. Er erwarte nicht, dass die Wasserversorgung in den nächsten Tagen wiederhergestellt werden könne. Im Laufe des Tages sollten 900 Tankwagen eingesetzt werden, um die Menschen zu versorgen.

Leichte Entspannung
In der Nacht war befürchtet worden, noch mehr Haushalte könnten von der Wasserversorgung abgeschnitten werden, wenn ein Wasser- und Elektrizitätswerk in der Grafschaft Gloucester überschwemmt würde. Ein Sprecher sagte in der Früh, die Situation sei inzwischen unter Kontrolle.

In einigen Hochwasserregionen im Westen und Süden gibt es seit Dienstagfrüh wieder Strom. Die Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht und konnten 48.000 Haushalte wieder mit Elektrizität versorgen.

"Totales Chaos"
In dem Gebiet müssen die Einwohner nun bei Supermärkten für kostenloses Trinkwasser Schlange stehen. Manche Einwohner nutzten zur Fortbewegung in den überfluteten Gemeinden Kanus und kleine Boote.

Straßen und Parkplätze standen in den betroffenen Grafschaften noch weitestgehend unter Wasser. Züge und Busse verkehrten nicht, ein Großteil der landwirtschaftlichen Ernte wurde zerstört. Als "totales Chaos" beschrieb ein Anrainer die Lage.

Nun Oxford bedroht
Nun bedrohen die Fluten auch die historische Universitätsstadt Oxford. "Unsere größte Sorge sind derzeit Oxford und Umgebung", sagte ein Sprecher der Umweltbehörde am Dienstag. Selbst wenn Oxford relativ unbeschadet den Höhepunkt der Themse-Fluten überstehen sollte, sei die Gefahr noch nicht gebannt: "Dann sind am Mittwoch Reading und Windsor bedroht."

Schlimmstes Hochwasser in 60 Jahren
Das Zentrum der Stadt Gloucester entging in der Nacht einer befürchteten Überflutung, als der Anstieg des Flusses Severn nur fünf Zentimeter unterhalb der fünf Meter hohen Flutschutzmauer stoppte.

In weiteren Städten entlang der Themse und des Severn wurden die Höchststände der Flut erst am Dienstag im Laufe des Tages erwartet. Die Überschwemmungen gelten als die schlimmsten seit 60 Jahren in England.

Massenevakuierung mit Hubschraubern
Die Umweltbehörde gab nach den heftigen Regenfällen vom Wochenende acht höchste Hochwasserwarnungen aus. Die Lage sei "kritisch". Besonders betroffen sind neben Gloucestershire die Grafschaften Herefordshire, Lincolnshire, Oxfordshire und Berkshire.

Am Montag kam es bereits zu Massenevakuierungen, zahlreiche Menschen wurden mit Hubschraubern aus ihren Häusern gerettet. Anrainer mussten in Notunterkünften ausharren. Unternehmen spendeten Millionen Wasserflaschen.

Brown macht Klimawandel verantwortlich
Die Versicherer gehen von einem Schaden von umgerechnet rund drei Milliarden Euro aus. Premierminister Gordon Brown machte den Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich. "Wie andere Industrienationen müssen auch wir uns mit den Konsequenzen des Klimawandels auseinander setzen", sagte Brown.

Er gab jedoch zu, dass die Regierung mehr investieren müsse, um solche Katastrophen zu verhindern. Um betroffene Gebiete sicherer zu machen, seien bis zu eine Milliarde Euro nötig, schätzte Brown. Die Regierung hatte bereits versprochen, den Hochwasserschutz bis zum Jahr 2010/11 um 800 Millionen Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) aufzustocken. Es ist bereits die zweite große Flut, die Großbritannien in diesem Sommer heimsucht.

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