Eine amerikanische Tragödie

Anna Nicole Smith sorgt auch nach ihrem Tod noch für Schlagzeilen.
Dass Anna Nicole Smith ausgerechnet in Hollywood - einer 150.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Florida - gestorben ist, ist eine bittere Ironie.

Smith war die Trash-Ikone der amerikanischen Popkultur: als "Busenwunder", als "Playmate des Jahres", als Witwe eines milliardenschweren Öl-Tycoons, als gnadenlose Selbstdarstellerin mit eigener Reality-Show. Ihr mysteriöser Tod mit 39 Jahren macht sie nun zu einer tragischen Figur. Dass sie noch lang Schlagzeilen machen wird, ist fix.

Streit um Marshall-Erbe
Viel Fragen sind offen: Eine Obduktion soll die tatsächliche Todesursache klären, doch ein endgültiges Ergebnis könnte es erst in Wochen geben. Inzwischen spekulieren Medien, Smiths Anwalt und ihre Mutter darüber, dass Drogen und Medikamente eine Rolle gespielt haben dürften.

Smith, die über zehn Jahre lang mit diversen Verfahren Schlagzeilen gemacht hat, wird die Gerichte auf jeden Fall auch nach ihrem Tod auf Trab halten. Erst vor kurzem erteilte ihr der Oberste Gerichtshof die Erlaubnis, den Prozess um das Milliardenerbe ihres verstorbenen Ehemanns wieder aufzurollen.

Smith, damals 26, hatte 1994 den 89-jährigen Öl-Tycoon Howard Marshall geheiratet. 14 Monate später starb Marshall; seither kämpfte sie vor Gericht gegen dessen Erben um die Hälfte des milliardenschweren Nachlasses. Der vehementeste Gegner einer Beteiligung Smiths am Marshall-Erbe, Howards Sohn Pierce, starb 2006.

Sohn gestorben
Dieser Kampf könnte nun weitergehen - doch wer ihn führt, ist offen. Smiths 20-jähriger Sohn Daniel kam vor wenigen Monaten unter tragischen Umständen ums Leben.

Er starb am 10. September im Zimmer seiner Mutter in einem Krankenhaus auf den Bahamas, wo Smith wenige Tage zuvor Tochter Dannielynn zur Welt gebracht hatte. Mitverantwortlich für den Tod Daniels war offenbar eine Kombination aus Methadon und Antidepressiva.

Wer ist Dannielynns Vater?
Die fünf Monate alte Tochter könnte ebenfalls Anspruch auf das Erbe haben, doch wer sie vertreten könnte, ist ebenfalls unklar: In ihrer Geburtsurkunde ist Smiths letzter Lebensgefährte als Vater aufgeführt, ihr Anwalt Howard Stern.

Der Exfreund der Verstorbenen, Larry Birkhead, beharrt ebenfalls darauf, der Vater zu sein. Er reichte im Oktober Klage gegen Smith ein. Die Situation wird dadurch verkompliziert, dass Stern und Smith zuletzt als Ehepaar auftraten, ihre Ehezeremonie auf den Bahamas aber in den USA nicht anerkannt ist.

Auch Gabor-Ehemann will Vater sein
Am Freitagnachmittag erklärte schließlich auch noch Frederick von Anhalt, Ehemann der Schauspielerin Zsa Zsa Gabor, er sei möglicherweise Dannielynns Vater. Er habe zehn Jahre lang eine Affäre mit Smith gehabt.

Als Smith schwanger geworden sei, sei sie weder mit Stern noch mit Birkhead zusammen gewesen, sondern mit ihm, so das fragwürdige Statement. Von Anhalt kündigte seinerseits eine Klage an, sollten Stern oder Birkhead das Sorgerecht beanspruchen.

30 Kilo abgenommen
Smith war am Donnerstag von ihrer privaten Krankenschwester bewusstlos in ihrem Hotelzimmer gefunden worden. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo nur noch ihr Tod festgestellt werden konnte.

Smiths Anwalt Ron Rale sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe noch vor wenigen Tagen mit seiner Mandantin telefoniert. Diese habe über Grippesymptome und Fieber geklagt. Das ehemalige Fotomodell hatte in den vergangenen Wochen Berichten zufolge mehr als 30 Kilogramm abgenommen.

Als Playmate zum Star
Smith wurde am 28. November 1967 als Vickie Lynn Hogan in Houston im US-Bundesstaat Texas geboren. 1992 zierte Smith das Cover des "Playboy", im Jahr darauf wurde sie "Playmate des Jahres" und damit zum Star der Boulevardpresse. "Playboy"-Gründer Hugh Hefner würdigte Smith nach ihrem Tod als "liebe Freundin".

Außerdem warb sie für ein Jeans-Label und war in einer eigenen Reality-Serie im Fernsehen zu sehen. Zuletzt war Smith vor allem wegen Rechtsstreitigkeiten in den Schlagzeilen. Eine Klage gegen Smith und einen Hersteller von Diätpillen wegen irreführender Werbung ist ebenfalls noch anhängig.

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