Die Unterweltführer selbst operieren häufig wie erfolgreiche, legitime Geschäftsleute und schalten sich nur bei Konflikten als oberste Autorität schlichtend ein. Triaden sind überall da aktiv, wo es chinesische Gemeinden gibt.
Spekulationen über Triaden-Hintergrund
Die Bluttat im Chinarestaurant in Sittensen in Deutschland löste sofort Spekulationen über einen Triaden-Hintergrund aus. Chinesische Geschäftsleute werden häufig Opfer von Schutzgelderpressungen.
Umgekehrt benutzen Triaden Erkenntnissen von Kriminalisten zufolge oft Chinarestaurants und Firmen als Deckmantel. Eines ihrer typischen Geschäftsfelder ist - auch in Europa - der Menschenschmuggel.
Die Gruppe der "Schlangenköpfe" beispielsweise nutzt nach Erkenntnissen europäischer Ermittler Kanäle in Osteuropa, um illegale Einwanderer in europäische Länder zu schleusen. Die mächtige "Wan Kuok-koi"-Triade aus Macao soll vor sechs Jahren den Transit der 58 Chinesen durch Deutschland organisiert haben, die in Dover tot in einem Container gefunden wurden.
Von Bruderschaft zum Verbrechersyndikat
Es gibt allerdings Unterschiede zwischen Verbrechersyndikaten und rituellen Gruppen der klassischen Triaden-Tradition. In China gehen Triaden auf das 17. Jahrhundert zurück. Ihren Namen bekamen sie vom Dreiecksymbol einer der Gruppen, der "Sanhehui". Das Zeichen beschrieb die Einheit zwischen Himmel, Erde und Mensch und ließ Hongkongs Kolonialherren erstmals von Triaden sprechen.
Diese waren zunächst Bruderschaften zur gegenseitigen Unterstützung, geht aus historischen Dokumenten hervor. In einem Ritual, das eine Reise durch ein Land des Todes und die Wiedergeburt symbolisiert, werden Mitglieder in das Männernetzwerk aufgenommen. Für den Blutschwur wird eigenes Blut mit dem eines weißen Hahnes für neue Lebenskraft in Schnaps gemischt und getrunken.
Eingeschworene Gemeinschaft
Die Triaden-Mitglieder schwören dabei, einander wie Brüder zu helfen. "Ich muss die Eltern und Verwandten meiner eingeschworenen Brüder wie meine eigenen behandeln. Wenn ich diesen Eid breche, soll ich den Tod durch fünf Blitze erleiden", lautet einer der 36 Schwüre. Die Geheimnisse der Bruderschaft dürfen nicht einmal engsten Verwandten verraten werden.
"Wenn ich das tue, soll ich von unzähligen Schwertern getötet werden", so ein anderer Schwur. Einst wollten die Triaden die Mandschu-Kaiser der Qing-Dynastie vertreiben. Ihre Einnahmequellen waren der Salz- und Opiumschmuggel und die Erpressung von Schutzgeldern, die wie Steuern erhoben wurden.
Hongkong als Hochburg
Mit der Auswanderung von Chinesen im 19. Jahrhundert in den Osten Amerikas und nach Südostasien zogen die Triaden mit. Obwohl heute viele Banden keinerlei rituelle oder mythologische Wurzeln mehr haben, ist "Triade" zum Inbegriff der chinesischen organisierten Kriminalität geworden.
Hochburg der Gruppen ist nach wie vor Hongkong. Insgesamt soll es Erkenntnissen der Hongkonger Polizei zufolge rund 50 Triaden mit 80.000 Mitgliedern geben, nur etwa 15 Gruppen sollen kriminell aktiv sein.
Sorge auch in China
Selbst in China wächst die Besorgnis über die Unterweltsyndikate ("Heishehui"), die zunehmend unter dem Deckmantel scheinbar seriöser Unternehmen ihren kriminellen Geschäften nachgehen. Einige Mitglieder seien so mächtig gewesen, dass sie sogar im Volkskongress gesessen seien, schildern Experten.
Kein Wunder: Die Grenzen zwischen Korruption, den "Guanxi" genannten Beziehungsnetzwerken, der wirtschaftlichen und politischen Macht von Partei und Behörden sowie dem klassischen Verbrechen wie Schmuggel, Wetten, Prostitution, Erpressung und Produktfälschung sind in China fließend.
Link:
- Triaden (Wikipedia, engl.)