Strache: Treffen in Maria Saal
Strache selbst gibt an, es handle sich um Fotos von Paintball-Spielen mit Mitgliedern des Pennäler-Rings in Kärnten. Gegenüber der "Kleinen Zeitung" (Sonntag-Ausgabe) präzisierte Strache, man habe sich damals privat in Maria Saal getroffen.
Die "Kleine Zeitung" behauptet jedoch, dass laut den Fotos die "Spiele" im Glantal - ein Tal weiter nördlich - stattfanden. Und das könnte durchaus brisant sein, denn dort hielt laut Angaben der Zeitung Anfang der 80er Jahre die Wiking-Jugend - eine neonazistische Jugendorganisation, die in Deutschland 1994 verboten wurde - mehrwöchige Zeltlager ab.
Diese seien von der damaligen Staatspolizei überwacht worden, es seien verbotene Fahnen eingeholt und einmal ein deutscher Betreuer auf der Stelle aus Österreich ausgewiesen worden.
Kriegerdenkmal von Zweikirchen
Hausherr des Areals am Fuß des Ulrichsberges in Zweikirchen in der Gemeinde Liebenfels sei Karl Kirchmayer. Ob Strache bei den Zeltlagern war, sei strittig. Aber die Fotos würden ihn in Zweikirchen zeigen, vor dem Kriegerdenkmal und auf der Burgruine Hardegg, die ebenfalls Kirchmayer gehört, schreibt die Zeitung.
Strache habe mitteilen lassen, dass ihn die Fotos "bei einem privaten Treffen mit Mitgliedern des Pennäler-Rings in Maria Saal" zeigten, mit der Wiking-Jugend habe das "nichts zu tun", so die "Kleine Zeitung".
Pennäler-Ring weist Verbindung mit Fotos zurück
Unterdessen wies der Österreichische Pennäler-Ring (ÖPR) eine Verbindung mit den strittigen Fotos zurück. ÖPR-Vorsitzender Udo Guggenbichler sagte in einer Aussendung am Montag, "dass die im Zusammenhang mit HC Strache lancierten Fotos keiner ÖPR-Veranstaltung entspringen und daher auch nicht mit diesem in Verbindung zu bringen sind".
Nicht ausgeschlossen wird in der Aussendung allerdings, dass Pennäler privat an den "Wald-Spielen in Uniform" teilgenommen haben.
Strache habe "immer nur von einem privaten Treffen mit Freunden (unter ihnen auch Pennäler) gesprochen", es liege aber "nicht in der Verantwortung des Verbandes, private Aktivitäten zu kommentieren, besonders wenn mittlerweile rund 20 Jahre vergangen sind". Der ÖPR lasse sich nicht in Kampagnen, wie sie derzeit geführt werden, hineinziehen, so Guggenbichler weiter.
Prammer verlangt Aufklärung
In der Affäre um die Fotos verlangt Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) Aufklärung. "Zum einen verlange ich natürlich Aufklärung und Klarstellung seitens des FPÖ-Klubs. Das ist eine Selbstverständlichkeit, dass hier nicht Ungereimtheiten im Raum stehen bleiben", sagte sie im ORF-Parlamentsmagazin "Hohes Haus".
Als Nationalratspräsidentin sei sie aber zu keiner Handlung aufgefordert. Sie erwartet sich die Aufklärung und Klarstellung nicht nur von Strache, sondern auch vom FPÖ-Klub.
Im Telefonbuch eines VAPO-Funktionärs
Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes wartet unterdessen mit einer neuen Enthüllung im Fall Strache auf: Wolfgang Neugebauer vom DÖW erklärte im ORF, dass sich Strache mit seiner Telefonnummer im Telefonbuch von Franz Radl finde.
Radl war als früherer VAPO-Aktivist laut Neugebauer "einer der wichtigsten Funktionäre dieser rechtsextremen Gruppierungen, der im Zusammenhang mit den Briefbomben verdächtigt, aber nicht verurteilt worden ist". Im Jahr 2005 kandidierte Radl mit der Liste "Franz" erfolglos bei der steirischen Gemeinderatswahl in Fürstenfeld.
Berger: Bisher keine Anzeige
Justizministerin Maria Berger (SPÖ) wiederum berichtete in der ORF-"Pressestunde", dass es bisher keine Anzeige zu den jetzt aufgetauchten Fotos gebe. Kommentieren wollte sie die Bilder nicht. In diesem Zusammenhang sprach sich Berger gegen eine Lockerung des Verbotsgesetzes aus. Der europäische Trend gehe eher die andere Richtung.
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