Warren Jeffs, der Anführer der polygamistischen US-Mormonensekte "Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints" (FLDS), wurde wegen Beihilfe zur Vergewaltigung, Missbrauchs von Minderjährigen und wegen des Arrangierens von "Ehen" mit minderjährigen Frauen gesucht. In der Nähe von Las Vegas wurde er am Montag verhaftet.
Durch Zufall aufgefallen
Jeffs wurde auf einem Highway nördlich von Las Vegas gestellt, so FBI-Sprecher David Staretz. Der Sektenführer war mit einer seiner Ehefrauen und seinem Bruder unterwegs, heiß es weiter.
Seine Festnahme verdankt die Polizei aber offenbar eher einem Zufall als der gezielten Fahndung: Bei einer Routineverkehrskontrolle war er aufgefallen, weil die Zulassung seines Wagens abgelaufen war.
Die Rückzugsgebiete der Sekte
Die Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints spaltete sich vor 116 Jahren von den Mormonen (Church of Jesus Christ of Latter Day Saints) ab, als diese die Polygamie offiziell aufgaben. Heute sollen der Sekte rund 10.000 Menschen angehören.
Sie sind in mehreren Ortschaften in ruhigen Gegenden der USA angesiedelt, in Texas, South Dakota, Idaho, aber auch in Mexiko und Kanada. Die meisten Mitglieder leben in dem malerischen Städtchen Hildale in Utah, etwa 300 Kilometer entfernt von Salt Lake City.
Arrangierte Vielehen
Jeffs war dort absoluter Herrscher. Er bestimmte, welchem Mann welche Frau zugesprochen wird.
Häufig wurden laut Medienberichten Minderjährige mit älteren Männern verheiratet. Die Behörden ermittelten auch wegen organisierten Kinderhandels. Die Sekte soll ein Multimillionen-Wirtschaftsimperium sein.
"Es herrscht Weltuntergangsstimmung"
Warren Jeffs war bisher auf Grund der zahlreichen Rückzugsmöglichkeiten für das FBI nur schwer zu orten. Er flog mit seinem Privatjet von Dorf zu Dorf.
Jeffs tauchte jeweils mit einer Schar bewaffneter Leibwächter auf. Die Behörden befürchteten daher ein Blutbad bei einer Festnahme in einem Dorf: "Es herrscht Weltuntergangsstimmung, wenn Jeffs hier ist. Ich glaube nicht, dass er aufgibt, ohne eine Menge Menschen mit in den Tod zu nehmen", meinte etwa das Sektenmitglied Susie Palmer.
Furcht vor zweitem Waco
"Das wird ein zweites Waco. Sie versuchen alles, damit die Polizei kommt, um mit Waffengewalt das Gesetz durchzusetzen.", so auch das ehemalige Sektenmitglied Ross Chatwin. "Dann werden Warrens Männer zuerst schießen und viele Menschen werden sterben." In Waco starben 1993 Sektenführer David Koresh und 75 seiner Anhänger bei einer Schießerei mit der Polizei.
Ungeliebtes Medieninteresse
Die permanente Nervosität innerhalb der Sekte stieg noch aus anderen Gründen. Ein in diesem Ausmaß nie da gewesenes Medieninteresse riss seit Monaten nicht ab. Das hat einerseits mit Jeffs' Aufrücken in die Liste der zehn "Most Wanted" des FBI und dem Kopfgeld von 100.000 Dollar zu tun, andererseits aber auch mit der Polygamisten-TV-Serie "Big Love".
Sie löste eine US-weite Debatte über Vielehen aus. Manche Kommentatoren schrieben, polygame Lebensformen seien genauso zu akzeptieren wie homosexuelle Partnerschaften. Den zurückgezogen lebenden Sektenmitgliedern - sie dürfen weder fernsehen noch Radio hören noch Zeitung lesen - war aber jede Art von Berichterstattung und öffentlichem Interesse ein Dorn im Auge. Schließlich ist die Polygamie in den USA verboten und wird geahndet.
Links:
- Warren Jeffs auf der FBI-"Wanted"-Liste
- FLDS (Wikipedia)