Der Hauptdamm des größten Wasserkraftwerks der Welt ist am Samstag fertig gestellt worden. Er ist Teil des Drei-Schluchten-Staudamms, eines heftig umstrittenen Bauvorhabens der chinesischen Regierung, für das mehr als eine Million Menschen umgesiedelt werden mussten.
Der Damm am Jangtse hat gigantische Ausmaße: Er ist 185 Meter hoch und 2.309 Meter lang. Die weltgrößte Wasserkraftanlage soll der boomenden Wirtschaft ab 2009 so viel Strom liefern wie fast zwanzig mittelgroße Atomkraftwerke.
Schlichte Zeremonie
Mit einer schlichten Zeremonie feierte China am Samstag die Vollendung des äußerst umstrittenen Bauprojekts. Das staatliche chinesische Fernsehen zeigte, wie Bauarbeiter die letzte Zementladung auf die 2.309 Meter lange und 184 Meter hohe Staumauer gossen.
"Ich kann dem chinesischen Volk nun bekannt geben, dass der Drei-Schluchten-Staudamm fertig gestellt ist", sagte der Manager der mit dem Bau beauftragten Firma, Li Yong'an. "Ich fühle mich sehr aufgeregt und stolz", fügte er hinzu, bevor die chinesische Nationalhymne ertönte.
85 Mrd. Kilowattstunden jährlich
Die in dem gewaltigen Prestigeprojekt verbauten 27 Millionen Kubikmeter Beton und 280.000 Tonnen Metall sollen die berüchtigten Überschwemmungen des größten Flusses in China bändigen.
14 Turbinen mit einer Leistung von 700 Megawatt wurden am Linksufer des Flusses bereits in Betrieb genommen, weitere zwölf sollen ab Ende des Jahres Strom liefern.
Mit einer Leistung von insgesamt rund 85 Milliarden Kilowattstunden jährlich soll der Drei-Schluchten-Staudamm den Energiehunger der heftig boomenden chinesischen Wirtschaft stillen helfen.
Angst vor langfristigen Folgen
Die Bewohner der Viermillionenstadt Yichang nahe der Talsperre machen sich bereits jetzt Gedanken über die langfristigen Folgen des Megaprojektes - auch wenn die breiten Straßen und neuen Bürotürme der Stadt von den gewaltigen Investitionen zeugen, die der Damm in die Region brachte.
"Wir haben gehört, es könnte Probleme mit der Umwelt und der Geologie geben, aber erst die Zukunft wird zeigen, was genau diese Probleme sind", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Einwohner.
"Künftige Kloake"
Umweltschützer warnen, dass sich die Wasserqualität des Flusses bereits verschlechtere, die Artenvielfalt abnehme und der Damm selbst in der entfernten Küstenstadt Schanghai zu Erosion führen werde.
Der bis Oktober auf bis zu 156 Meter Tiefe und 600 Kilometer Länge aufgestaute Stausee könnte sich einigen Prognosen zufolge in eine Kloake aus Abwässern und Industrieabfällen aus der 30-Millionen-Metropole Chongqing flussaufwärts verwandeln.
Die 1,3 Millionen bisherigen Bewohner der Dörfer und Städte, die bald komplett unter Wasser liegen werden, bekamen die Konsequenzen des Projektes bereits zu spüren und wurden zwangsumgesiedelt.
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