Den Rang des höchsten Wolkenkratzers der Welt hat der im Herzen von Manhattan aufragende Büroturm mit dem Fernsehmast schon lang verloren.
Doch kaum ein anderes Hochhaus der Welt ist so sehr Mythos und so sehr Symbol einer Stadt. Jetzt ist das Empire State Building 75 Jahre alt.
Turm der Extreme
Im 86. Stock wartete Cary Grant in "Die große Liebe meines Lebens" vergeblich auf Deborah Kerr, von der Spitze stürzte der Riesenaffe King Kong in den Tod, und in "Independence Day" sprengten Aliens das Gebäude in die Luft.
Und auch im realen Leben sind die Extreme im Empire State Building nah beieinander: Das Gebäude ist für Liebespaare ebenso attraktiv wie für Selbstmörder.
Wunderwerk der Technik
Ein Mythos war das Empire State Building von Anfang an. Als zur Einweihung am 1. Mai 1931 Präsident Herbert Hoover per Knopfdruck aus Washington die Lichter in dem 381 Meter und 102 Stockwerke hohen Gebäude angehen ließ, erstrahlte ein wahres Wunderwerk der Technik an der Fifth Avenue.
"Wie hoch können Sie so etwas bauen?"
Der von dem Börsenspekulanten und General-Motors-Gründer John Jacob Raskob finanzierte und dem Architekten William Lamb entworfene Mega-Turm wurde in der Rekordzeit von nur dreizehneinhalb Monaten hochgezogen.
Raskob hatte Ambitionen: "Wie hoch können Sie so etwas bauen, ohne dass es umfällt?" soll er Lamb gefragt haben. Es galt schließlich, die Konkurrenz auszubooten - das Chrysler Building, das fast gleichzeitig gebaut wurde.
Perfekte Logistik
Zur schnellen Fertigstellung trug eine phänomenale Logistik bei. Sie ermöglichte beispielsweise eine so rasche Anlieferung der Stahlträger aus dem 650 Kilometer entfernten Pittsburgh, dass sie bei der Ankunft auf der Baustelle teilweise noch warm waren.
Damit durch die Mittagspause nicht unnötig viel Zeit verloren ging, wurden im 24., 47. und 64. Stock Kantinen eingerichtet - das ersparte den bis zu 3.500 Arbeitern das Hinunterfahren.
Lichtblick in der Depression
Das Wunder war umso größer, als das damals höchste Gebäude der Welt mitten in der vom Börsencrash von 1929 ausgelösten Depression entstand. Das Empire State Building wurde so zu einem amerikanischen Symbol unbeugsamen Willens in harten Zeiten.
Dieser Status litt auch nicht darunter, dass viele Pläne, die sich um das Projekt gerankt hatten, nicht aufgingen. So fanden viele der Büroräume bis in die 40er Jahre keine Abnehmer, weshalb Spötter vom "Empty State Building" sprachen.
Und auch aus dem Airport für Luftschiffe wurde nichts. Anlegen sollten sie an der im Art-Deco-Stil gestalteten Spitze des Hochhauses, doch das erwies sich als zu kompliziert.
Bomber flog in Gebäude
Der dramatischste Moment in der Geschichte des Empire State Building kam am 28. Juli 1945, als ein B-25-Bomber bei schlechter Sicht in das Gebäude raste. 14 Menschen kamen ums Leben. Das Gebäude erlitt aber keinen schweren Schaden.
Die Aufzugführerin Betty Lou Oliver wurde durch das Unglück berühmt. Sie fiel infolge der Kollision 75 Stockwerke mit dem Lift in die Tiefe - und überlebte wie durch ein Wunder den laut Guinness-Buch bis heute tiefsten Absturz dieser Art.
Wieder höchstes Gebäude New Yorks
Bis 1972 blieb das Empire State Building das höchste Gebäude der Welt, dann wurde es vom World Trade Center abgelöst.
Als die Zwillingstürme bei den Anschlägen des 11. September 2001 in Schutt und Asche versanken, wurde das Empire State Building wieder zur höchsten Konstruktion in New York.
Faszination ungebrochen
Die Faszination des Gebäudes, das einschließlich seines Sendemasts auf 443 Meter kommt, ist bis heute ungebrochen. Vier Millionen Besucher jährlich genießen den atemberaubenden Blick in die Straßenschluchten von Manhattan und über das Häusermeer zum Hudson River, East River und zur New York Bay.
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