Wer soll das bezahlen? | |
"Adele Bloch-Bauer I" und "Adele Bloch-Bauer II" sollen in Österreich bleiben - wie, ist aber unklar.
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Die Republik Österreich wird dem Schiedsspruch zu den fünf Klimt-Bildern aus der Österreichischen Galerie Belvedere Folge leisten. Das kündigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) in einer Aussendung am Dienstag an. Damit werden die Gemälde ("Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Apfelbaum", "Buchenwald/Birkenwald" und "Häuser in Unterach am Attersee") an die Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann restituiert. Einem etwaigen Rückkauf durch die Republik erteilte Gehrer jedoch vorerst eine Absage; die finanziellen Mittel dafür seien nicht vorhanden. Porträts weiter in Österreich "Ich möchte auch, dass die Porträts ('Adele Bloch-Bauer I' und 'Adele Bloch-Bauer II', Anm.) in Österreich bleiben", sagte Altmann Montagabend in einem in der ORF-Sendung "Treffpunkt Kultur" ausgestrahlten Interview. Herbert Frodl, der Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, wo sich die Klimt-Bilder derzeit befinden, hatte bereits am Montag gesagt, dass nun Möglichkeiten sondiert werden, "möglicherweise das eine oder andere dieser Gemälde zu erwerben", um es "für Österreich und die Österreichische Galerie" zu erhalten. "Nichts vergleichbares am Markt" Frodls Interesse gilt dabei vor allem den beiden Bildnissen von Adele Bloch-Bauer, die "absolute Hauptwerke" Klimts seien. Die "Goldene Adele" sei "sicherlich neben dem 'Kuss' das wichtigste Bild von Klimt", betonte Frodl. Deren Wert könne man nicht genau beziffern: "Der Markt gibt die Preise vor. Aber es gibt nichts vergleichbares am Markt." Rückkauf zu teuer Doch wie der Verbleib zumindest der "Adele" aussehen könnte, ist noch unklar. Es sei zwar "sehr schade um diese Bilder", erklärte Gehrer im Ö1-Mittagsjournal, den Rückkauf mit Mitteln der Republik hält Gehrer jedoch nicht für praktikabel: "Es übersteigt bei weitem unsere finanziellen Möglichkeiten, diese Bilder anzukaufen." Sponsoring oder Leihgaben? Jedoch würden andere Wege zum Verbleib einiger Werke in Österreich erörtert. "Es werden Gespräche geführt. Vielleicht gibt es Sponsoren, oder die Familie selbst ist bereit, etwas als Leihgabe zur Verfügung zu stellen." Angesichts der genannten Summen von 70 bis 120 Millionen Euro, die nach Schätzungen alleine das Porträt "Adele Bloch-Bauer I" wert sein soll, betonte Gehrer: "70 Mio. Euro macht das gesamte Budget aller Bundesmuseen in Österreich aus." Daher müsse man "schauen, dass wir einen anderen Weg finden. Wir sind dabei." Insgesamt werden die Bilder auf etwa 200. Mio Euro geschätzt. "Jetzt ist es Zeit, darüber zu reden" Solange "der Wissensstand ist: 'Die Bilder sind rechtmäßig im Belvedere', gibt es nichts zu verhandeln", sagte Gehrer auf die Frage, warum sie einen Brief der Klägerin Maria Altmann zu Beginn des mehrjährigen Rechtsstreits nicht beantwortet habe. Sie habe sich als Politikerin an die Gesetze zu halten. Nun sei festgestellt worden, dass "die Eigentumsverhältnisse anders sind als in bisherigen Gutachten festgestellt. Jetzt ist es Zeit, darüber zu reden." "Chance verpasst" In den internationalen Feuilletons ist die Causa Thema Nummer eins. Die "Neue Zürcher Zeitung" etwa schreibt von einer "verpassten Chance" Österreichs. Zuerst habe man Altmanns Angebot für einen Vergleich ausgeschlagen und sie mit einem teuren Prozess auszubluten versucht. Die Strategie sei aber nicht aufgegangen: Das Verfahren habe den österreichischen Steuerzahler Millionen Euro gekostet und die Republik um wertvolle Kunstwerke gebracht. Und nun werde auch noch versucht, das Ergebnis als positiv zu verkaufen. Komplexer Fall In ihrem Testament bat Bloch-Bauer ihren Mann Ferdinand, nach dessen eigenem Tod die Bilder der Republik Österreich bzw. der Österreichischen Galerie zu schenken. Ferdinand Bloch-Bauer wurde in der NS-Zeit enteignet und musste in die Schweiz flüchten. Die Bilder wurden noch zu seinen Lebzeiten von einem von den Nazis eingesetzten "kommissarischen Verwalter" an das Museum übergeben bzw. verkauft. In seinem Testament setzte Ferdinand aber seinen Neffen und seine zwei Nichten als Alleinerben ein. Die Auslegung dieses komplexen Falls hat Gerichte in den USA und Österreich sieben Jahre beschäftigt, bis ein Schiedsgericht die Werke nun Altmann zugesprochen hat. Buchhinweis Dass der Fall des Streits um die Klimt-Bilder nur die Spitze eines riesigen Eisberges ist, belegt das jüngst erschienene Buch der Provenienzforscherinnen Gabriele Anderl und Alexandra Caruso, in dem die Hintergründe und Zusammenhänge zwischen der Enteignung von jüdischem Eigentum und die Haltung der Republik nach dem Krieg erörtert werden.
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