Der verstaatlichte deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat Finanzkreisen zufolge den "Stresstest" für 91 europäische Banken nicht bestanden. Die HRE sei wohl in einem "Stresstest"-Szenario durchgefallen, das die Folgen einer Verlangsamung der Konjunktur mit einem gleichzeitigen Abschlag auf Staatsanleihen simuliert, sagte gestern eine mit dem Belastungstest vertraute Person aus der Branche.
Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet. Die Bank selbst, die deutsche Bankenaufsicht BaFin und der deutsche Bankenrettungsfonds SoFFin wollten sich zum Abschneiden der HRE nicht äußern.
Die Münchner HRE war zuletzt mit 7,8 Milliarden Euro allein in Griechenland engagiert. Auf die Staatsanleihen dieses Landes wird in dem Szenario der höchste Abschlag vorgenommen. Das Ergebnis des "Stresstests" hat für die Bank allerdings in der Praxis kaum Relevanz. Die Hypo Real Estate ist ohnehin dabei, toxische Wertpapiere und ganze Unternehmensbereiche im Volumen von bis zu 210 Milliarden Euro in eine große "Bad Bank" auszugliedern und sich damit von diesen Risiken zu trennen.
Banker zweifeln an Aussagekraft von "Stresstests"
In der Branche wachsen die Zweifel an der Aussagekraft der europaweiten Belastungsprobe für die Branche. Banker fürchten Fehlinterpretationen. Nach einer Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt hält es nur ein Fünftel der befragten Manager von Banken, Börsen und Finanzdienstleistern für wahrscheinlich, dass die Ergebnisse richtig eingeordnet werden.
Ein Drittel ist nicht davon überzeugt. Immerhin geben 58 Prozent an, dass der "Stresstest" ihrer Ansicht nach das Vertrauen der Marktteilnehmer erhöhen wird. Die "Financial Times" zitierte gestern ungenannte Manager von Banken in Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die Vorbehalte gegen die Tests hätten. Der Markt werde Kapitalquoten von Banken vergleichen, obwohl diese auf ganz unterschiedlicher Basis ermittelt worden seien.
Unter den Teilnehmern an der Studie befinden sich die Erste Group und Raiffeisen aus Österreich. Als Wackelkandidaten galten neben spanischen Sparkassen (Cajas) und griechischen Banken auch einige deutsche Landesbanken.