In der Türkei sind gestern 196 Menschen wegen Verschwörung gegen die islamisch orientierte Regierung angeklagt worden. Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, hat ein Gericht in Istanbul eine 986 Seiten starke Anklageschrift gebilligt.
Darin wird unter anderem 30 ehemaligen oder noch dienenden Offizieren vorgeworfen, an einem 2003 geplanten Komplott gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan beteiligt gewesen zu sein. Die mutmaßlichen Verschwörer hätten Chaos schaffen und so den Boden für einen Militärputsch bereiten wollen, hieß es.
Ende Februar hatte die türkische Polizei 40 Menschen festgenommen, nachdem eine türkische Zeitung die angeblichen Putschpläne veröffentlicht hatte. Unter den Festgenommenen befanden sich Medienberichten zufolge ein Ex-Kommandeur der Luftwaffe, ein früherer Marinekommandant sowie ein ehemaliger stellvertretender Generalstabschef.
Seit 1960 haben die türkischen Streitkräfte, die sich als Hüter der säkularen Verfassung verstehen, viermal geputscht und zivile Regierungen abgesetzt. Erdogan versucht seit Jahren, den Einfluss der Streitkräfte auf die Politik zurückzudrängen.