Spaniens berüchtigtster Drogenboss Manuel Charlin ist nach 20 Jahren aus der Haft entlassen worden. Der 78-Jährige verließ heute nach Verbüßung seiner Strafe das Gefängnis von Lama bei Pontevedra im Nordwesten des Landes, wie die Justizbehörden mitteilten. Er wurde von einem Verwandten abgeholt.
Charlin ist der Patriarch des gleichnamigen Familienclans und kontrollierte von Galicien aus einen der größten Drogenhändlerringe Europas. Seine Frau und vier seiner sechs Kinder sitzen wegen Rauschgiftschmuggels und Geldwäsche derzeit in Haft. Die beiden anderen Kinder sowie zwei Enkeltöchter sind auf Kaution frei.
Der Nationale Gerichtshof in Madrid hatte Charlin seinerzeit unter anderem schuldig gesprochen, an Bord eines Frachters 600 Kilogramm Kokain aus Kolumbien nach Spanien gebracht zu haben. Ein Großteil seines Vermögens wurde beschlagnahmt.
Neuerlicher Prozess erwartet
Die Anklage hatte sich in dem Verfahren vor allem auf die Aussage eines reuigen Drogenhändlers gestützt, der Charlin Jahre zuvor schwer belastet hatte und kurz darauf von mutmaßlichen Auftragskillern des Clans ermordet worden war.
Vermutlich muss Charlin schon bald wieder vor Gericht erscheinen: Anfang Juli hatte die Polizei bei einer Razzia in Galicien 14 Verdächtige wegen Geldwäsche festgenommen, darunter auch mehrere Verwandte des langjährigen Drogenbosses.