Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski hat die "verbrecherische Politik" der Regierung für das Flugzeugunglück am 10. April verantwortlich gemacht. Damit verschärfte er die Diskussion über den Absturz der Regierungsmaschine vom Typ Tupolew, bei dem sein Zwillingsbruder, der damalige Staatspräsident Lech Kaczynski, sowie 95 weitere Personen ums Leben gekommen waren. Auch andere Politiker der rechtskonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) erheben schwere Vorwürfe gegen die Regierung.
In einem Interview mit der national-konservativen Zeitung "Gazeta Polska", aus dem heute im Voraus Auszüge veröffentlicht wurden, berichtete der PiS-Vorsitzende Kaczynski über das Telefonat mit Außenminister Radoslaw Sikorski von der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) am Unglückstag: "Ich habe ihm gesagt: Das ist das Ergebnis eurer verbrecherischen Politik, ihr habt keine neuen Flugzeuge gekauft", erklärte Jaroslaw Kaczynski.
Die Regierung habe damals wohl Angst gehabt, dass er das öffentlich wiederholen könnte, so der Ex-Premier. Deshalb habe Sikorski ein zweites Mal angerufen und dabei den Piloten die Schuld am Absturz gegeben.
Trauer zur Imageaufbesserung?
Kaczynski griff Ministerpräsident Donald Tusk (PO) außerdem wegen dessen Reise nach Smolensk unmittelbar nach dem Unglück an. Der Regierungschef habe dafür gesorgt, dass sein Wagen eher am Unglücksort in Russland ankam als das Auto mit ihm selbst, so Kaczynski. Offenbar habe Tusk so "sein Image aufbessern" wollen. "Diese Mentalität kann ich nicht begreifen, ich bin schließlich zu den Leichen der Menschen gefahren, die mir am nächsten standen", sagte der Oppositionsführer der "Gazeta Polska". In Smolensk habe er es abgelehnt, die Beileidsbekundung von Tusk entgegenzunehmen, so Kaczynski.