In einem umstrittenen Prozess um die Freiheit der Kunst hat ein Moskauer Gericht den international renommierten Experten Andrej Jerofejew zu einer Geldstrafe verurteilt. Mit der Ausstellung "Verbotene Kunst" hätten Jerofejew und der Mitangeklagte Juri Samodurow 2007 zu "religiösem Hass aufgewiegelt", urteilte das Gericht heute nach Angaben der Agentur Interfax. Jerofejew hatte in der Schau religiöse und politische Tabus in der russischen Kunstwelt zum Thema gemacht.
Das Gericht blieb mit dem Strafmaß deutlich hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 54 Jahre alte Jerofejew muss eine Geldstrafe von 150.000 Rubel (3.800 Euro) zahlen, der 58-jährige Samodurow 200.000 Rubel. Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils drei Jahre Straflager beantragt. Das Urteil erging auch wegen "Erniedrigung der Menschenwürde".
Kakerlaken im Gericht ausgesetzt
Menschenrechtler, Künstler und Museumschefs kritisierten das Urteil als unzulässige Einmischung des Staates in die Kunstfreiheit. Die Künstlergruppe Wojna (Krieg) setzte als Zeichen des Protests 3.500 Kakerlaken im Gericht aus. Die Polizei nahm die Aktivisten fest.
Insgesamt begutachtete das Gericht neun Bilder, darunter eine Kaviarikone, ein Jesusbild auf der Werbung einer Fast-Food-Kette sowie eine Micky-Maus-Figur auf Heiligenbildern. Laut Urteil verletzten die Werke die Gefühle russisch-orthodoxer Christen in gröbster Weise. Die Künstler selbst waren nicht angeklagt.