Obama: Türkei nicht den Weg in EU verwehren

US-Präsident Barack Obama hat davor gewarnt, der Türkei den Weg in die Europäische Union zu verwehren. Sonst könnte sich das Land neue Verbündete in der islamischen Welt suchen, sagte Obama in einem heute veröffentlichten Interview der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Die EU wäre gut beraten, die Türkei aufzunehmen.

Allerdings sei ein Teil der in Europa bestehenden Vorbehalte auf einen Kurswechsel in der traditionell pro-westlichen Außenpolitik der Regierung in Ankara zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spiele dabei das Bild, das sich die Türken von Europa machten. "Wenn sie sich selbst nicht als Teil der europäischen Familie verstehen, werden sie woanders Bündnisse und Anschluss suchen", sagte Obama.

Widerstand in Paris und Berlin
In Frankreich und Deutschland, aber auch in Österreich, gibt es massive Widerstände gegen eine EU-Vollmitgliedschaft des muslimisch geprägten Landes. Man will Ankara lediglich eine "privilegierte Partnerschaft" zugestehen. In Deutschlands schwarz-gelber Regierungskoalition bahnt sich eine Debatte über die künftige Türkei-Politik an.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) fordert eine Abkehr von der "privilegierten Partnerschaft", wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) propagiert. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Westerwelle: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die globale Statik derzeit dramatisch verändert."