Die Türkei erwägt nach der weltweit heftig kritisierten Militäraktion gegen eine Gaza-Hilfsflotte, ihre Beziehungen zu Israel auf ein Minimum zu reduzieren. Es gebe in Militär und Wirtschaft viele Verbindungen, die nun auf den Prüfstand kämen, sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arinc heute im Fernsehen. Damit lieferte er den bisher deutlichsten Hinweis auf ein weitgehendes Einfrieren der Beziehungen zu dem einst engen Verbündeten.
Bei Israels Erstürmung einer internationalen Hilfsflotte, die die Blockade des Gazastreifens durchbrechen wollte, waren neun Türken getötet worden. US-Präsident Barack Obama erklärte, es handle sich um eine Tragödie, die aber als Chance für eine Belebung des festgefahrenen Nahost-Friedensprozesses begriffen werden sollte.
Ermittlungen gegen Soldaten
Türkische Ermittler sammeln unterdessen Beweise für Strafverfahren gegen die Verantwortlichen des israelischen Angriffs. Die Staatsanwaltschaft in Ankara habe Aussagen von verletzten Aktivisten angefordert, berichteten türkische Medien.
Außerdem gebe es medizinische Untersuchungen, die Hinweise auf große Brutalität ergeben hätten. Die türkischen Ermittler gehen dem Verdacht auf Entführung, Totschlag und Freiheitsberaubung nach.
Demonstrationen in Wien
Als Folge des israelischen Angriffs auf die Gaza-Flotte fanden heute in Wien zwei Demonstrationen statt. Anti-israelische Demonstranten zogen über die Ringstraße.
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