Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer jüngsten Äußerungen zum Euro scharf attackiert. EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi warf Merkel - ohne sie namentlich zu nennen - heute laut Redetext in der marokkanischen Hauptstadt Rabat vor, sie habe bei ihrer Regierungserklärung vor wenigen Tagen im Bundestag nicht die möglichen Folgen ihrer Worte bedacht.
Merkel hatte kurz vor Pfingsten im Bundestag mit den Worten "Der Euro ist in Gefahr" für Zustimmung für den milliardenschweren Schutzschirm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) für gefährdete Euro-Länder geworben.
Bini Smaghi kritisierte die Unterschiede in der Kommunikation der Regierungen der Euro-Zone. Das habe die Finanzmärkte verunsichert und dem Euro geschadet. "In einem großen Land der Euro-Zone hat man gedacht, die öffentliche Unterstützung für rasches Handeln könnte dadurch erreicht werden, dass man die Situation dramatisiert und zum Beispiel der Öffentlichkeit sagt: Der Euro ist in Gefahr, oder in aller Öffentlichkeit über Möglichkeiten eines Ausschlusses eines Mitgliedslandes nachdenkt. Aber man hat nicht realisiert, dass mitten in der Krise solche Worte nur die Flammen anfachen und die Kosten für das Hilfspaket nach solchen Erklärungen steigen könnten."