Türkei vermittelt zwischen Belgrad und Sarajevo

Nach der Absage eines ersten Besuches des Präsidenten des dreiköpfigen bosnischen Staatsprädisiums, Haris Silajdzic, am Dienstag in Serbien ist laut der serbischen Tageszeitung "Danas" nun die Türkei in die Vermittlung zwischen den beiden Seiten eingeschaltet worden. Der Besuch von Silajdzic, dem Vertreter der bosniakischen (muslimischen) Volksgruppe im bosnischen Staatspräsidium, wurde am Dienstag wegen einer Flugzeugpanne abgesagt.

Im Verlauf der Bemühungen, einen neuen Besuchstermin festzulegen, stellte es sich heraus, dass es auch ein anderes Problem gibt, dessentwegen es derzeit keine Aussichten auf eine baldige Reise Silajdzics nach Belgrad gibt. Der Präsident des bosnischen Staatspräsidiums beharrt nämlich darauf, während des Aufenthaltes in der serbischen Hauptstadt in einem Belgrader Gefängnis auch einen im Vorjahr wegen Kriegsverbrechen in der bosnischen Stadt Tuzla verurteilten ehemaligen bosnischen Polizeifunktionär besuchen zu können.

Konflikt um Häftlingsbesuchsverbot
Die serbischen Behörden hatten letzte Woche dem Gefängnisbesuch zugestimmt. Kurz vor der erwarteten Ankunft Silajdzics in Belgrad hatte das serbische Justizministerium allerdings ein Besuchsverbot für das Gefängnis verhängt, in dem der 67-jährige bosnische Kroate Ilija Jurisic seine Haftstrafe verbüßt. Die Gründe wurden nicht erläutert. Offenbar ging es darum, den Gefängnisbesuch zu verhindern, ohne den Besuch Silajdzics in Belgrad infrage zu stellen.

Wie "Danas" heute berichtete, war der bosnische Außenminister Sven Alkalaj bis gestern Nachmittag in Belgrad vergeblich bemüht, einen neuen Besuchstermin mit dem zuvor bereits festgelegten Programm zu vereinbaren. Beide Seiten haben sich dem Blatt zufolge in den letzten zwei Tagen mit der Bitte zu vermitteln an die Türkei gewandt. Serbien möchte, dass die Türkei Silajdzic dazu bewegt, auf den Besuch im Gefängnis zu verzichten. Die bosnischen Behörden forderten andererseits, dass ihm das ermöglicht werde, berichtete das Blatt unter Berufung auf diplomatische Quellen.