Gesamtschule: Steirische Rückendeckung für Karl

Rückendeckung aus der steirischen ÖVP hat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) nach ihrem Vorstoß für die Gesamtschule erhalten. Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer sagte zum Vorschlag nur knapp: "Denken wird wohl noch erlaubt sein." Die ÖVP-Verkehrs-und ehemalige Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder versteht die Aufregung um den Vorstoß nicht. Sie spricht sich nach wie vor für eine Gesamtschule der fünf- bis 15-Jährigen aus.

Von großer Aufregung überrascht
Schützenhöfer sagte, dass die Schule in Österreich momentan im Umbruch sei und es um die "beste Lösung für die Schüler gehe". Um das zu erreichen, seien alle gefordert. Edlinger-Ploder meinte, dass innerhalb der Partei derzeit Diskussionen laufen würden, bezeichnete das aber als "normal", da es eben "mehrere Stoßrichtungen" zu dem Thema gebe.

Am Ende der Diskussionen soll jedenfalls ein gemeinsames Papier der ÖVP vorliegen. Sie zeigte sich überrascht, dass die Aufregung über den Vorstoß größer sei als das Interesse an der Bildungsdebatte.

Karl versucht zu beruhigen
Angesichts der scharfen parteiinternen Kritik versuchte Karl die Wogen zu glätten. Es habe sich um "meine Meinung" gehandelt, so Karl. Sie sei aber auch nicht von Parteichef Josef Pröll (ÖVP) "zurückgepfiffen worden". Ihre Aufgabe sieht Karl nun in der Koordinierung der verschiedenen Ansichten. Für "ein wirklich großes Bildungspaket" müssten aber beide Koalitionsparteien ihre "ideologischen Scheuklappen ablegen".

Mehr dazu in "Breites Meinungsspektrum" in ÖVP

SPÖ unterstützt Karl
Die SPÖ sammelt sich indes hinter Karl: Klubobmann Josef Cap betonte in einer Aussendung, dass "alles für eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen spricht und alles gegen das willkürliche Aussortieren der Kinder mit neun Jahren, durch das soziale Ungleichheiten einzementiert werden".

"Vorbehaltlos unterstützt" wird Karl von der Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ). Sie hofft, dass sich die Wissenschaftsministerin gegen die Widerstände in der eigenen Partei erfolgreich durchsetzen kann. Auch die roten Pflichtschullehrer-Gewerkschafter setzen auf Karl, schränken aber ein: Ihr Vorstoß habe "dem differenzierten Schulwesen auf der Sekundarstufe 1 nicht den Todesstoß versetzt, sondern lediglich den Weg für eine Neuorientierung frei gemacht".