Historische Annäherung zwischen Griechen und Türken: Die Regierungen der beiden ehemals verfeindeten Länder sind gestern in Athen zu ihrer ersten gemeinsamen Kabinettssitzung zusammengekommen. Mit Blick auf die horrende Staatsverschuldung Griechenlands sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Bereitschaft zu, massive Kürzungen an den hohen Verteidigungsausgaben beider NATO-Mitglieder vorzunehmen.
In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich Erdogan und sein griechischer Kollege Giorgos Papandreou überzeugt, dass "die neue Richtung der Beziehungen Griechenland und die Türkei zu einer besseren Zukunft zum Wohle beider Völker" führen könnten.
Rüstungsausgaben werden gesenkt
Der Vorschlag einer Senkung der Rüstungsausgaben fand bei der griechischen Regierung offene Ohren. Der stellvertretende Regierungschef Theodoros Pangalos sprach mit Blick auf die Türkei von einer "imaginären Bedrohung, die von einer politischen Konfrontation verursacht wird, die gelöst werden kann und muss".
Griechenland will wegen seines gewaltigen Defizits die Verteidigungsausgaben um 25 Prozent statt der bisher eingeplanten 12,6 Prozent kürzen. Die beiden Länder
haben nicht in erster Linie wegen der gemeinsamen NATO-Aufgaben hohe Militärausgaben, sondern wegen ihrer alten Rivalität. Konfliktpunkte sind das geteilte Zypern und Gebietsansprüche in der Ägäis.
"Historische Bedeutung"
Der griechische Präsident Carolos Papoulias, mit dem sich Erdogan in Athen traf, sagte, er erhoffe sich von dessen zweitägigem Besuch "gute Ergebnisse", die die Kooperation beider Länder verbessern würden.
Bereits vor seinem Abflug nach Athen sprach Erdogan von der "historischen Bedeutung" des Besuchs. In der griechischen Hauptstadt traf er neben Papoulias auch Papandreou und Oppositionsführer Antonis Samaras.
Mit zehn Ministern angereist
Erdogan wurde von zehn Ministern begleitet. Rund 1.500 Polizisten wurden zur Sicherheit am Regierungssitz in Athen stationiert. Beide Länder wollten während des Besuchs 21 Abkommen unterzeichnen, darunter vor allem wirtschaftliche Vereinbarungen. Es ist der erste offizielle Besuch Erdogans in Athen seit 2004.