Bulgariens sozialistischer Präsident Georgi Parwanow könnte der für morgen vorgesehenen Parlamentsdebatte über seine Absetzung vorgreifen und auf eigene Entscheidung zurücktreten. Das berichtete die Tageszeitung "Dnewnik" unter Bezug auf anonyme Quellen aus der Sozialistischen Partei (BSP). Parwanow selbst zeigte sich gelassen und wollte die Gründe für die Absetzungsdebatte vorerst nicht kommentieren.
Am Freitag hatten mehr als die nötigen zwei Drittel der Parlamentsabgeordneten - 161 von insgesamt 240 - einen Antrag zur Einleitung eines Absetzungsverfahrens unterzeichnet. Dem Präsidenten werden mehrere Verfassungsverstöße vorgeworfen. Er wird etwa beschuldigt, seine Rolle im Gefüge der Gewaltenteilung auszuweiten zu versucht haben und aus dem parlamentarischen System Bulgariens gleichsam eine Präsidialrepublik gemacht haben zu wollen.
Laut "Dnewnik" wird das Rücktrittsszenario in der Präsidentschaftskanzlei erörtert, weil das Absetzungsverfahren den Ruf Parwanows nachhaltig schädigen würde. Durch dieses Ausweichmanöver würde einerseits Parwanows treuer Vizepräsident Angel Marin das Präsidentenamt bis zur Präsidentschaftswahl 2011 übernehmen. Andererseits würde Parwanow mehr Zeit und Möglichkeiten haben, ein eigenes politisches Projekt als "einzige Alternative" zu den gegenwärtig regierenden Volksparteien aufzubauen.