Nach der Wahlschlappe für das Regierungslager bei der Regionalwahl holt der französische Präsident Nicolas Sarkozy einen seiner Kritiker aus dem eigenen Lager ins Kabinett. Der 44 Jahre alte Abgeordnete Francois Baroin werde Haushaltsminister, berichteten französische Medien heute unter Berufung auf Regierungskreise.
"Junger Wilder"
Baroin zählt zu den "jungen Wilden" der Regierungspartei UMP. Er hatte Sarkozy kritisiert, weil dieser linke Politiker auf Regierungsposten gesetzt hatte. "Die Leute haben Sarkozy nicht gewählt, um Vertreter der Linken in allen Ämtern zu sehen", hatte er nach der ersten Runde am Sonntag vor einer Woche gesagt.
Der Bürgermeister von Troyes war von 2005 bis 2007 Minister für die Überseegebiete und anschließend knapp zwei Monate Nachfolger von Sarkozy als Innenminister, während dieser sich auf die Präsidentschaftswahl vorbereitet.
54 Prozent für die Linke
Die linke Opposition war in der zweiten Runde der Wahl gestern landesweit auf rund 54 Prozent gekommen, das Regierungslager auf etwa 36 Prozent. Bei den Regionalwahlen 2004 hatte das Verhältnis 50 zu 37 betragen.
Damit konnten sich die Rechten in Frankreich (ohne Überseegebiete) lediglich im Elsass halten. Ihre zweite Bastion Korsika ging an die Opposition. In den beiden Überseeregionen Reunion und Französisch-Guyana konnte sich das Regierungslager durchsetzen. Beide haben in der nationalen Politik allerdings nicht viel Gewicht.
Rechtsextreme Partei Überraschungssieger
Zu den Überraschungssiegern zählt die rechtsextreme Partei Front National, die in den Regionen, in denen sie in der zweiten Runde angetreten war, auf knapp 18 Prozent kam; im landesweiten Schnitt erreichte sie knapp neun Prozent.