Frauenbericht 2010: Starkes Ungleichgewicht bei Hausarbeit

Kochen, waschen, bügeln und Kinderbetreuung: Sie sind allesamt unbezahlte Tätigkeiten, die zum überwiegenden Teil von Frauen erledigt werden. Die Verteilung der unbezahlten Arbeit ist ungerecht, denn zwei Drittel davon entfallen auf Frauen. Das geht aus ersten Unterlagen zum Frauenbericht 2010 von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hervor. Der Bericht soll noch vor dem Sommer veröffentlicht werden.

Laut der Zeitverwendungsstudie 2010 sind fürs Bügeln zu 89 Prozent die Frauen zuständig, ähnlich verhält es sich beim Wäschewaschen - nur zu 15 Prozent wird diese Tätigkeit von Männern verrichtet. Kochen ist ihnen da schon lieber, zu einem knappen Drittel übernehmen Männer diese Aufgabe. Wenn es darum geht, Zeit mit den Kindern zu verbringen, sei es zum Lernen oder Spielen, tun das in 41 Prozent der Fälle Männer, zu 59 Prozent Frauen.

Von gleicher Arbeitsaufteilung weit entfernt
Von einer gleichen Arbeitsaufteilung ist man in der Realität weit entfernt, und in den vergangenen Jahren hat sich das nur marginal geändert. Hatten 1992 Frauen 69 Prozent der unbezahlten Arbeit erledigt, waren es im Jahr 2009 noch immer 66 Prozent.

"Es hat sich nichts verändert. Männer sind zu bequem, und Frauen machen es ihnen zu leicht. Wir sollten fordernder werden. Auch Männer sollten ihren Teil an der Familienarbeit leisten. Das sind alles Tätigkeiten, die sie genauso erledigen können", sagte Heinisch-Hosek. Sie wies vor allem darauf hin, dass Frauen heute so gut wie nie zuvor ausgebildet seien.

"Halbe-halbe ist in den letzten 15 Jahren nicht Wirklichkeit geworden. Leider, denn es könnte helfen, dass mehr Frauen vollzeit tätig sind", meinte die Ministerin. Gerade aufgrund des neuen einkommensabhängigen Kindergeldes hätten Männer nun keine Ausrede mehr.

Heinisch-Hosek pochte auch auf die Einkommensgerechtigkeit, hier müsse rasch etwas "weitergehen": "Gerechter Lohn bewirkt auch, ein selbstständiges, unabhängiges Leben führen zu können."

"Ich will mehr Chefinnen"
Neben der Einkommenstransparenz in den Betrieben sind österreichweit einheitliche Standards bei der Kinderbetreuung und eine verpflichtende Quote für Frauen in Führungspositionen zentrale Anliegen der Ministerin. Einwände lässt sie nicht gelten: "Mit Freiwilligkeit geht es nicht. Ich will mehr Chefinnen, weil Entscheidungen dadurch vielfältiger werden."

Der letzte Frauenbericht wurde 1995 von der kürzlich verstorbenen ehemaligen Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ) veröffentlicht. Keinen Bericht habe es unter Schwarz-Blau 2005 gegeben, so Heinisch-Hosek. Ihre Vorgängerin Doris Bures (SPÖ) habe dann wieder eine umfassende Untersuchung in Auftrag gegeben. Die wissenschaftliche Aufbereitung nehme aber einige Zeit in Anspruch, erwiderte Heinisch-Hosek auf Kritik, dass 15 Jahre lang kein Bericht erstellt worden sei.