Aus Ärger über eine Resolution im US-Repräsentantenhaus zur Tötung hunderttausender Armenier im Osmanischen Reich hat die Türkei die Abberufung ihres Botschafters aus Washington angekündigt. Die Abberufung trete sofort in Kraft, teilte die Regierung in Ankara gestern mit.
Trotz scharfer Proteste aus der Türkei hatte ein Komitee im US-Kongress die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet.
Türkei drohte mit Konsequenzen
Der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington stimmte gestern mit 23 zu 22 Stimmen einer entsprechenden Resolution zu. Die Türkei - Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs und ein wichtiges NATO-Mitglied - hatte zuvor mit schweren Konsequenzen gedroht.
Je nach Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200 000 und 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Die Türkei bestreitet den Vorwurf des Genozids mit aller Schärfe. Sie hat wiederholt erklärt, die Zahl der Toten sei übertrieben, und die Armenier seien Opfer von Bürgerkrieg und Unruhen geworden.
Wichtiger Verbündeter der USA
Die Regierung von Präsident Barack Obama hatte vor einer Beleidigung der Türkei im Fall einer Annahme gewarnt. Das NATO-Mitglied Türkei ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Nahen und Mittleren Osten. Die Resolution soll nun dem Plenum des US-Repräsentantenhauses vorgelegt werden. Dort ist die Annahme unsicher.