Die Türkei hat die USA davor gewarnt, die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu drohte in diesem Fall mit Konsequenzen. "Alle Möglichkeiten liegen auf dem Tisch", sagte er.
Ungeachtet der Drohung aus Istanbul wollte der auswärtige Ausschuss des US-Abgeordnetenhauses heute (Ortszeit) über eine Resolution abstimmen, die die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs zum Völkermord erklärt.
Das NATO-Mitglied Türkei drohte vor dem Treffen des Ausschusses mit dem Rückruf des türkischen Botschafters aus Washington. Außerdem könnten Rüstungsprojekte im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar aufgekündigt werden, berichteten türkische Medien.
Bis zu 1,5 Mio. Armenier getötet
Je nach Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Der Vorwurf des Genozids wird von der Türkei vehement bestritten. Die christlichen Armenier hätten an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden, heißt es in der Türkei zur Begründung. Im Osmanischen Reich lebten gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 2,5 Millionen Armenier. Heute sind sie im Nachfolgestaat Türkei nur noch eine kleine Minderheit.
Gül telefonierte mit Obama
Bereits 2007 hatte der US-Kongressausschuss eine Armenien-Resolution verabschiedet und damit eine diplomatische Krise zwischen den beiden NATO-Partnern ausgelöst. Das Dokument hatte es aber nicht gegen den politischen Widerstand bis ins Plenum der Kongresskammer geschafft. Nach Einschätzung türkischer Interessengruppen könnte es diesmal anders sein. Sie werfen der Regierung von US-Präsident Barack Obama vor, im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht Stellung zugunsten der Regierung in Ankara zu beziehen.
Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte am Mittwoch mit US-Präsident Obama telefoniert. Derzeit sind türkische Politiker in den USA, um Ausschussmitglieder dazu zu bewegen, gegen die Armenienresolution zu stimmen.