Russland: Streit über Restitution an Kirche

Etwa 150 russische Kulturexperten haben in einem Protestschreiben an Präsident Dimitri Medwedew vor der Rückgabe wertvoller Schätze an die zu Sowjetzeiten enteignete Kirche gewarnt. Wenn Ikonen, Gemälde und andere Kostbarkeiten aus den Museen geholt und der russisch-orthodoxen Kirche übergeben würden, würde das den "Tod" des kulturellen Lebens in Russland bedeuten.

Zudem habe die Kirche weder die Bedingungen noch das Geld, um die Kulturgüter vor dem Verfall zu bewahren, zitierten Medien in Moskau am Wochenende aus dem von vielen Museumsdirektoren unterzeichneten Brief. Regierungschef Wladimir Putin hatte die Rückgabe der Schätze angekündigt.

Besonders Wertvolles bleibt in Staatsbesitz
Die russisch-orthodoxe Kirche war nach der Oktoberrevolution von 1917 von den Bolschewiken enteignet worden. Das von Putin auf den Weg gebrachte Restitutionsgesetz bezieht sich Medien zufolge nicht nur auf Kirchenimmobilien von großem Wert, sondern auch auf kulturelle Heiligtümer.

Nur besonders wertvolle Denkmäler der UNESCO-Welterbeliste wie das Kirchenensemble auf dem Kremlgelände und die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz sollen in Staatsbesitz bleiben.

Die auch nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland zahlenmäßig starken Kommunisten werfen Putin vor, die Kirche als neuen Machtfaktor heranzuziehen. Das Moskauer Patriarchat sieht in der Rückgabe der Kulturschätze dagegen eine Festigung der Kirche in der Gesellschaft.