Die osteuropäischen Staaten erwarten heuer keine Probleme bei der Refinanzierung ihrer Staatsschulden, auch weil ihre Verschuldung im Vergleich mit Westeuropa noch immer relativ gering ist. Die Euro-Einführung in den Ländern Mittel- und Osteuropas (CEE) dürfte sich nach Einschätzung von Juraj Kotian, Analyst bei der Erste Group, auf frühestens 2015/16 verschieben.
Darüber hinaus unterstrich er bei einer Pressekonferenz, dass die CEE-Länder mit den Anti-Krisen-Maßnahmen früher als die Länder der Euro-Zone begonnen hätten.
Italien als Schuldenspitzenreiter
Nach Schätzungen der Erste-Analysten belaufen sich die Staatsschulden Ungarns, Tschechiens, Polens, der Slowakei, Rumäniens und Kroatiens, die zusammen rund 90 Millionen Einwohner haben, auf insgesamt 347 Mrd. Euro und liegen damit knapp über den 300 Mrd. Euro, die für das 11,17 Millionen Einwohner zählende Griechenland veranschlagt werden. Der Spitzenreiter bei der Verschuldung in der Euro-Zone ist Italien mit geschätzten 1.757 Milliarden.
Trotz der Wirtschaftskrise ortet Kotian einen Liquiditätsüberschuss in der CEE-Region, der heuer für einen Rückgang bei den Zinsaufschlägen für Staatsanleihen sorgen könnte. Im Fall Rumäniens wird mit einem Rückgang um 1,5 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent gerechnet.
Außerdem erwartet er, dass die Banken in Osteuropa aufgrund des gedämpften Kreditwachstums in der Region große Anteilte der Einlagenzuwächse in Staatspapiere investieren. Das könnte rund ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dieser Länder erreichen. Außerdem könnten andere institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds bis zu zwei Prozent des BIP in Staatsanleihen investieren.