Die weißrussische Regierung will die freie Internet-Nutzung stark einschränken. Um "die Sicherheit des Landes und die seiner Bürger zu verbessern", sollen ab 1. Juli die Internet-Anbieter die Computer und Handys der Nutzer erfassen und Informationen über deren Nutzungsverhalten sammeln, hieß es in einem gestern vom weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko unterschriebenen Erlass.
Erst kürzlich hatte der Präsident ein "Analysezentrum" eingerichtet, das Domain-Namen in Weißrussland vergibt und vorgibt, welche Informationen im Internet verbreitet werden dürfen.
Laut dem neuen Dekret müssen Internet-Provider den Zugang zu einer Website innerhalb von 24 Stunden sperren, wenn sie dazu von dem Analysezentrum eine Anweisung bekommen.
Kritik von Opposition
Kritik kam von der Opposition. Natalja Radina, die die Oppositionswebsite Charter97 betreibt, erklärte, das neue Dekret sei "das Seil, um das Internet abzuwürgen". Die Weißrussen leiden bereits jetzt unter starker Zensur: Die meisten unabhängigen Zeitungen wurden dichtgemacht, unabhängige Radio- und Fernsehsender gibt es nicht.
Das Internet spielt deshalb eine besonders wichtige Rolle für die Verbreitung von Informationen in dem autokratisch regierten Land.