Die serbische Regierung hat gestern den Beschluss gefasst, dem Internationalen Gerichtshof (IGH) eine Klage gegen Kroatien wegen Genozids an kroatischen Serben während des Krieges 1991 bis 1995 zuzustellen. Die Entscheidung sei nach Beratungen von Präsident Boris Tadic mit Premier Mirko Cvetkovic erfolgt, teilte die Regierung in einer Aussendung mit.
"Die Regierung Serbiens hat sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem die Republik Kroatien am 2. Juli 1999 ein Verfahren gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro, Anm.) wegen angeblicher Verletzung der Konvention zur Vorbeugung und Bestrafung von Verbrechen des Genozids während der bewaffneten Konflikte auf dem Gebiet dieser Republik zwischen 1991 und 1995 eingeleitet hatte", stand ferner in der Aussendung.
Kriegsverbrechen 1995
Die Klage bezieht sich laut früheren Belgrader Medienberichten auf Kriegsverbrechen an Serben in Gospic, Sisak, Karlovac, Osijek, im Raum Medak, aber auch während der kroatischen Wiedereroberungsoperationen "Blitz" und "Sturm" im Jahr 1995.
Sie enthält auch eine Beschreibung der Geschichte der serbisch-kroatischen Beziehungen mit Akzent auf dem Zweiten Weltkrieg und dem Ustascha-Lager Jasenovac. Dort wurden zwischen 1941 und 1945 nach unterschiedlichen Schätzungen Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen ermordet, überwiegend Serben, Juden und Roma.