EZB: Europäer sparen sich durch die Krise

Aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes legen die Europäer so viele Euro auf die hohe Kante wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Wie aus dem heute veröffentlichten Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) für Dezember hervorgeht, stieg die Sparquote der privaten Haushalte in der Euro-Zone zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahr auf 15,4 Prozent, das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Und der Trend setzt sich fort: "Die Sparquote (...) dürfte in der zweiten Jahreshälfte gestiegen sein", schreiben die Frankfurter Währungshüter.

Flucht aus Aktien
Neben der Furcht vor einem Jobverlust machen sie auch die Immobilienkrise in einigen Ländern der Euro-Zone und massive Vermögensverluste durch die Krise etwa bei Aktienanlegern für das gestiegene finanzielle Sicherheitsbedürfnis der Menschen verantwortlich.

Auch die Banken haben ihren Anteil an dem veränderten Verhalten. Sie schauen wegen der Krise deutlich genauer hin, wenn sie Privatleuten einen Kredit geben. "Dies könnte Verbraucher dazu veranlasst haben, verstärkt zu sparen und ihre Verschuldung zu verringern."

Hinzu komme die Angst vor künftigen einkommensmindernden Steuererhöhungen, wenn die Regierungen beginnen, die wegen der Krise überstrapazierten Haushalte zu sanieren, meint die EZB.

Große regionale Unterschiede
Die regionalen Unterschiede sind bei der Sparneigung sehr hoch. So erhöhten beispielsweise Spanier und Iren, die von der Rezession sehr stark betroffen sind, ihre Sparanstrengungen überproportional. Die Deutschen sparen trotz Krise dagegen in etwa genauso viel wie vor Beginn der Turbulenzen. Für Österreich werden in dem Bericht keine eigenen Daten augewiesen.