Polen verschiebt geplante Euro-Einführung

Die polnische Regierung hat gestern definitiv erklärt, dass sie ihr Ziel der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro bis 2012 nicht verwirklichen kann.

"Das neue Datum wird Premier Donald Tusk festlegen", erklärte der stellvertretende Finanzminister Ludwik Kotecki der Zeitung "Rzeczpospolita". Verantwortlich dafür sei die wirtschaftliche Entwicklung, die schlechter als erwartet ausfalle, sagte Kotecki.

"An das Datum hat niemand geglaubt"
Noch im Mai hatte Finanzminister Jacek Rostowski die Einführung des Euro 2012 als "realistisch" bezeichnet. "Wenn sie um ein Jahr verschoben wird, ist das aber auch keine Katastrophe", erklärte er damals der britischen "Financial Times". Tusk hatte im vergangenen Jahr in der EU eine Debatte darüber angeregt, die Kriterien für einen Beitritt zum Euro-Raum zu lockern. Er stieß damit aber auf kein Interesse bei den Ländern, die schon die gemeinsame Währung haben.

Polnische Experten begrüßten die Entscheidung der Regierung. "An die Erklärungen zum Datum 2012 hat niemand mehr geglaubt", sagte der Chefökonom der BRE-Bank, Ryszard Petru, der "Rzeczpospolita". Trotzdem gab es auch Kritik an der Regierung. "Schon seit Anfang des Jahres war klar, dass der Fahrplan für den Euro komplette Fiktion ist", sagte der ehemalige stellvertretende Finanzminister Stanislaw Gomulka der Zeitung "Dziennik". "Die polnische Wirtschaft will endlich ein reales Datum für einen Beitritt erfahren", sagte der Vorstandsvorsitzende der polnischen Telekom TP SA, Maciej Witucki.

Defizit viel zu hoch
Eine Umfrage der "Rzeczpospolita" unter Wirtschaftsexperten ergab, dass der frühestmögliche Zeitpunkt für einen Beitritt Polens zum Euro aus heutiger Sicht 2014 ist. Um das zu erreichen, muss Polen allerdings den Fehlbetrag im Staatshaushalt deutlich verkleinern. Im Moment erfüllt das Land die wichtigsten Beitrittskriterien nicht, das Budgetdefizit wird heuer nach Schätzungen der EU-Kommission über sechs Prozent betragen.