EZB erwartet weitere Milliardenabschreibungen

Die seit gut zwei Jahren andauernde Finanzkrise ist nach deren Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch keineswegs vorüber. Ungeachtet einiger weniger Anzeichen einer Stabilisierung und der Gegenmaßnahmen von Zentralbanken und Regierungen bleibe die Finanzbranche sehr anfällig, weitere Milliardenabschreibungen seien wahrscheinlich.

"Die größten Risiken liegen im weiteren Vertrauensverlust innerhalb des Finanzsystems und in der weiteren Erosion der Kapitalbasis der Banken und der Bewertung von Papieren in deren Bilanzen. Außerdem darf man das Risiko, dass die ohnehin schon schwere Rezession tiefer ausfällt und länger dauert als bisher erwartet, nicht außer Acht lassen", sagte EZB-Vizepräsident Lucas Papademos gestern in Frankfurt.

Weitere Kreditausfälle im Osteuropa-Geschäft
Weiters warnt die EZB vor einem massiven Anstieg der Kreditausfälle bei einer weiteren Verschärfung der Krise in den neuen EU-Ländern. Davon könnten auch Banken, die über ihre Töchter in Osteuropa aktiv sind, in Mitleidenschaft gezogen werden.

Österreichs Banken gehören mit rund 200 Mrd. Euro zu den größten Kreditgebern in Mittel- und Osteuropa. Die italienische UniCredit hat über ihre Tochter Bank Austria das größte Engagement in Osteuropa, gefolgt von den österreichischen Banken Raiffeisen International Bank Holding AG sowie Erste Group Bank. Die Verflechtung mit Osteuropa hatte bereits zu einer Rückstufung der Bonitätsnoten durch Ratingagenturen geführt.