Bulgariens Parteien wollen bei der Europawahl nach einer Expertenanalyse mindestens sechs Millionen Euro für den Kauf von Wählerstimmen ausgeben. Das Geld komme aus schwarzen Kassen, sagte Tichomir Beslow vom Zentrum für Demokratie-Forschung (ZID) in Sofia gestern dem Internet-Dienst mediapool.bg.
Demnach koste eine Wählerstimme dem Auftraggeber etwa 100 Lewa (51 Euro). Von diesem Geld erhalte der
Wähler rund die Hälfte. Der Rest gehe an die Vermittler.
Stimmenkauf "übliche Praxis"
Nach einer am Vortag veröffentlichten Studie der Offenen Gesellschaft in Sofia sei der Stimmenkauf für sechs Prozent der Bulgaren eine "übliche Praxis".
Sollten sich wie erwartet zwei Millionen Bulgaren an der Europawahl beteiligen, könne man also von rund 120.000 gekauften Wählern ausgehen, sagte Beslow weiter. EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kunewa hatte bereits vor einem Stimmenkauf in ihrer bulgarischen Heimat gewarnt.
Seit April drohen bei einer Verurteilung wegen Stimmenkaufs schärfere Haftstrafen von bis zu sechs Jahren sowie Geldstrafen bis umgerechnet 10.000 Euro. Die Wahlen der vergangenen Jahre waren in dem Balkanland vom Kauf und Verkauf von Wählerstimmen überschattet worden.