"Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der junge Menschen die Ideale, die ihnen von ihrer Elterngeneration vorgelebt werden, verabsolutieren. Damit werden diese Ideale unmenschlich. Das ist die Wurzel jeder Form von Terrorismus." Das sagte der österreichische Regisseur Michael Haneke in Cannes bei der Pressekonferenz zu seinem Film "Das weiße Band", der gestern Abend im Wettbewerb der 62. Filmfestspiele seine Uraufführung feierte.
Die Idee zu diesem Film sei mehr als zehn Jahre alt, so Haneke, der großen Wert darauf legte, kein spezifisch deutsches, sondern ein globales Problem dargestellt zu haben. Die Verabsolutierung von Idealen treffe etwa genauso auf religiösen Fanatismus zu.
"Ich möchte nicht, dass er nur als Film über den Faschismus verstanden wird. Für die deutschsprachigen Zuschauer kann er jedoch ruhig ein Film über ein deutsches Problem sein." Es gehe auch in "Das weiße Band" ("Die rechte Hand Gottes" sei ein anderer, von ihm überlegter Titel gewesen) um Gewalt, wie in fast allen seiner Filme, allerdings sei die Frage der medialen Repräsentation von Gewalt diesmal - etwa in der Erzählstimme - nur gestreift.
Der Regisseur ist bereits zum neunten Mal in Cannes vertreten.