ORF-Chef Wrabetz präsentierte Sparkonzept

Die ORF-Geschäftsführung will die Kernbelegschaft des Unternehmens bis 2012 von mehr als 3.400 Mitarbeitern auf weniger als 2.500 reduzieren. Das war die Hauptbotschaft, die ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz der Belegschaft gestern Nachmittag bei einer Informationsveranstaltung mitteilte.

Die Personalreduktion soll unter anderem durch die Ausgliederung der Technik, des Radio-Symphonieorchesters, des Facility-Managements, der Grafik sowie der ORF-Ausstattung zustande kommen. Zusätzlich soll es Kündigungen geben. Der ORF werde stattdessen verstärkt auf freie Mitarbeiter setzen, die im Rahmen eines neuen Kollektivvertrags beschäftigt werden. Weiters soll ein verstärkter Altersabbau stattfinden.

Ab Mitte 2010 soll im ORF niemand mehr über der Pensionsgrenze arbeiten. Um den betroffenen Mitarbeitern den Abschied zu erleichtern, stellte Wrabetz auch die Möglichkeit finanzieller Anreize in den Raum.

Konfrontation mit Belegschaftsvertretern
Vor dem Auftritt von Wrabetz kam es zur Konfrontation mit dem Betriebsrat. Die am Vormittag anberaumte erste Lohnrunde zwischen Zentralbetriebsrat und Geschäftsführung war geplatzt: Die Geschäftsführung hatte den Betriebsrat eine Stunde warten lassen.

Direkt vor der Informationsveranstaltung richtete sich Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser an die Mitarbeiter und kündigte den Protest der Belegschaftsvertreter gegen den Umgang des Unternehmens mit den Mitarbeitern an. Stein des Anstoßes war auch, dass die Geschäftsführung zu einer internen Mitarbeiterinformation Vertreter der Presse geladen hatte. Moser bezeichnete den Auftritt Wrabetz' als "Propagandashow" und "getarnte Pressekonferenz" der Geschäftsführung.

Um 13.13 Uhr verließen die Belegschaftsvertreter geschlossen die Sitzung, die auch via Hauskanal in die übrigen ORF-Standorte und -Landesstudios übertragen wurde. Dutzende Mitarbeiter schlossen sich den Betriebsräten an und verließen noch vor der Wrabetz-Rede den Saal.

Ferngespräch Moser - Wrabetz
Moser betonte, dass er die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Geschäftsführung als Affront und Eklat empfinde. Wrabetz entgegnete den Betriebsräten von der Bühne aus, dass sich der ORF in einer "sehr schwierigen, nie da gewesenen Situation befindet, die nicht besser wird, wenn wir das Gespräch verweigern". Er bedauere die Missstimmungen und verstehe den Unmut, er habe aber kein Verständnis dafür, dass "man nicht anerkennt, dass sich das Unternehmen wirklich in einer außergewöhnlichen Situation befindet".