An der Palacky-Universität von Olmütz (Tschechien) wird heute der Lehrstuhl für Judaistik feierlich nach den Wiener Judaistik-Pionieren Kurt und Ursula Schubert benannt. Die mährische Universität kooperiert besonders im Bereich der Judaistik eng mit heimischen Einrichtungen - unter anderem mit der Wiener Judaistik und dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten.
Starthilfe durch Doyen der Judaistik
Das erst im Jahr 2004 geschaffene Zentrum für jüdische Studien an der rund drei Bahnstunden von Wien entfernten Olmützer Uni benennt sich nicht zufällig nach den Schuberts.
Kurt Schubert, der 2007 verstorbene Doyen der österreichischen Judaistik, hatte noch im Wintersemester 2005 in Olmütz Vorlesungen und Seminare zur jüdischen Geschichte abgehalten und war dem Olmützer Institut in seiner Startphase mit Rat und Tat zur Seite gestanden.
Privatarchiv in Olmütz
Nach seinem Tod stifteten seine Töchter die wissenschaftliche Privatbibliothek und das Privatarchiv ihres Vaters an das Olmützer Institut.
Großer Aufholbedarf
Der Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls liegt in der Aufarbeitung von Geschichte, Kultur und Literatur des mährischen Judentums. Im Gegensatz zu westeuropäischen Ländern besteht in Tschechien noch großer Aufholbedarf. Denn nach der Zerstörung des jüdischen Lebens durch die Nazis war unter der kommunistischen Herrschaft judaistische Forschung weitgehend tabu.
Die Folge: Bis heute lagern in den tschechischen Archiven große Bestände in Hebräisch und Jiddisch - für ihre Aufarbeitung fehlen jedoch die dafür ausgebildeten Wissenschaftler. Die Olmützer Judaistik soll helfen, diese Lücke zu schließen.