Italien: Proteste gegen neue Mohammed-Karikatur
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Vertreter italienischer Moslemorganisationen haben gegen eine Karikatur in einer katholischen Zeitschrift protestiert, die den Propheten Mohammed in der Hölle darstellt. Veröffentlicht wurde die Zeichnung in der Märzausgabe der Zeitschrift "Studi Cattolici", die der erzkonservativen katholischen Vereinigung Opus Dei nahesteht, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa gestern berichtete.

Der Chef der Islamischen Weltliga in Italien, Mario Scajola, sagte, die Zeichnung zeuge von "sehr schlechtem Geschmack". Die Veröffentlichung von zwölf Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung und später in weiteren westlichen Medien hatte teils gewalttätige Massenproteste in der moslemischen Welt ausgelöst.

"Minderheiten, die provozieren"

Der Leiter des Verbands der moslemischen Gemeinden in Italien, Roberto Piccardo, bedauerte, dass es allen Bemühungen um den Dialog zwischen den Religionen zum Trotz immer noch "Minderheiten gibt, die provozieren müssen".

Der Rektor des päpstlichen Instituts für arabische Studien, Justo Lacunza Balda, verurteilte die Karikatur. "Man kann sich nicht auf diese Weise über Mohammed lustig machen, eine zentrale Figur des Glaubens von mehr als einer Milliarde Menschen", sagte Balda.

"Wiedergabe aus 'Göttlicher Komödie'"

Nach Angaben von Ansa zeigt die Karikatur die beiden Dichter Dante und Vergil vor einem Feuerkreis, während kleine Teufel sie umflattern. "Der da, der vom Kopf bis zum Hintern zweigeteilt wurde, ist das nicht Mohammed?", fragt Vergil seinen Schriftstellerkollegen. Dieser bestätigt: "Er wurde zweigeteilt, weil er die Gesellschaft gespalten hat. Und dort, der mit der vor dem Islam heruntergelassenen Hose, das ist die italienische Politik."

Der Direktor von "Studi Catollici", Cesare Cavalleri, verteidigte die Veröffentlichung der Karikatur. Dabei handle es sich lediglich um die Wiedergabe einer Passage aus Dantes "Göttlicher Komödie", betonte das Opus-Dei-Mitglied. Nach seinen Worten "tut ein satritisches Bild, das politisch nicht korrekt ist, von Zeit zu Zeit einfach gut". Zugleich betonte Cavalleri, er hoffe, dass die Karikatur keine Anschläge provozieren werde. "Denn wenn das geschähe, würde es nur die idiotischen Vorstellungen" des Islamismus bestätigen, fügte er hinzu.

Opus Dei distanziert sich

Opus Dei distanzierte sich von der Zeitschrift. "Studi Cattolici" werde weder "offiziell noch offiziös" von der Vereinigung herausgeben, sagte ein Sprecher. Herausgeber ist das Verlagshaus Ares, bei dem die Werke des Opus-Dei-Gründers Josemaria Escriva de Balaguer erscheinen.
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