Prodi: "Berlusconi soll nach Hause gehen"
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Auch nach einer Unterredung mit Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi will Silvio Berlusconi eine Niederlage seines Mitte-Rechts-Bündnisses bei der Parlamentswahl nach wie vor nicht eingestehen.

Vielmehr spricht der amtierende Premier nun offen von Wahlbetrug und zeigte sich überzeugt, dass sich das Wahlergebnis noch zu seinen Gunsten ändern werde.

Der zum Wahlsieger erklärte Romano Prodi zeigte sich indes unbeeindruckt von Berlusconis Vorwürfen und kündigte eine handlungsfähige Regierung bis Mitte Mai an. Berlusconi ließ er zudem ausrichten, dass er nach Hause gehen solle.

Rutelli künftiger Außenminister?

Unterdessen machten bereits erste Namen für ein mögliches Kabinett unter Ministerpräsident Prodi die Runde - unter anderem sei der ehemalige Bürgermeister von Rom, Francesco Rutelli, als Außenminister im Gespräch.

Auslandsstimmzettel korrekt

Berlusconi sagte zuvor vor Journalisten: "Es gibt so viele Neuigkeiten, so viele Machenschaften." Auf die Frage, ob sich das Endergebnis noch ändern könnte, antwortete der Regierungschef: "Es muss sich ändern."

Es sei "absolut erforderlich", dass man mehr als 1,1 Millionen Wahlzettel überprüft. Die Ergebnisse in 60.000 Wahlkreisen müssten nachgezählt werden.

Die italienische Wahlkommission wies indes Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung von Stimmen von im Ausland lebenden Italienern zurück. Es seien ebenso viele Stimmen bei seiner Behörde angekommen, wie von den italienischen Botschaften im Ausland abgeschickt worden seinen, sagte Claudio Fancelli, Chef der Abteilung für die Auszählung der Auslandsstimmen bei der Wahlkommission.

80.000 Wahlzettel werden überprüft

Unterdessen ordnete das römischen Innenministerium die Überprüfung von etwa 82.000 Stimmzetteln an. Experten sollen entscheiden, ob diese tatsächlich ungültig sind oder einem der beiden politischen Lager zuerkannt werden müssen.

Für Aufsehen sorgte in Rom die Entdeckung von mindestens fünf Kisten mit gültigen Wahlzetteln. Sie hätten sich auf der Straße in der Nähe von Müllcontainern befunden.

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