| Karikatur-Streit: Appell von UNO, EU und OIC | ||
| Angesichts anhaltender gewaltsamer Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen haben die Vereinten Nationen, die EU und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) Moslems in aller Welt zur Ruhe aufgerufen. In einer gemeinsamen Erklärung äußerten sie am Dienstagabend Verständnis für den Ärger, verurteilten aber zugleich die Gewalt, die das Ansehen eines friedfertigen Islam beschädige. Zuvor hatte es bei Protesten in Afghanistan erneut Tote gegeben. In Teheran griffen Demonstranten die norwegische Botschaft an.
"Wir verstehen die tiefe Verletzung und weit verbreitete Verärgerung in der moslemischen Welt", heißt es in der in New York veröffentlichten Erklärung von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, EU-Außenbeauftragtem Javier Solana und OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu. Der "Ärger über die Publikation dieser beleidigenden Karikaturen" werde von allen Menschen und Gesellschaften geteilt, "die Verständnis für die Sensitivität religiöser Überzeugungen haben". Die jüngsten Gewaltakte gingen jedoch über die Grenzen eines friedlichen Protests hinaus. Die Presse wurde aufgerufen, den Glauben aller Religionen zu respektieren. In Afghanistan, wo die radikal-islamischen Taliban zum Heiligen Krieg gegen Dänen aufriefen, starben drei Demonstranten beim Sturm auf ein norwegisches Soldatenlager. Einen Tag nach Angriffen auf dänische und österreichische Vertretungen in Teheran griffen Demonstranten am Dienstagabend auch die norwegische Botschaft in der iranischen Hauptstadt mit Steinen und Brandsätzen an. Auch in Ägypten, Jemen, Pakistan, Nigeria, dem Niger und auf den Philippinen gingen zehntausende Moslems aus Protest gegen die Karikaturen auf die Straße. Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, in dessen Land die Mohammed-Karikaturen zuerst veröffentlicht worden waren, forderte Moslems in aller Welt zum Dialog auf. "Dieser Konflikt hat sich von einem Streit um die Zeichnungen zu einer internationalen Krise entwickelt", sagte Rasmussen in Kopenhagen. In Wien traf EU-Ratsvorsitzende Außenministerin Ursula Plassnik (V) am Dienstag mit dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft Anas Schakfeh zusammen. Sie richteten einen dringenden Appell zur Abkehr von der Gewalt an die Öffentlichkeit. Plassnik sagte der "ZiB1" anschließend, man werde im Umgang mit den Moslems den "bewährten österreichischen Weg" weitergehen und diesen auch der internationalen Gemeinschaft aufzeigen. Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte die Veröffentlichung der Karikaturen als "unzulässige Provokation" von Moslems. "Bevor man etwas veröffentlicht, (...) sollte man hundert Mal nachdenken", sagte Putin. Der Präsident des Europaparlamentes, Josep Borrell, forderte in Brüssel von den Medien "Verantwortungsbewusstsein" bei der Ausübung des Rechts der Pressefreiheit. US-Vizepräsident Dick Cheney bezeichnete die Debatte indes als "übertrieben". "Ich glaube nicht, dass der Abdruck dieser Karikaturen die Gewalt rechtfertigt, die wir gerade sehen", sagte er am Dienstagabend (Ortszeit) dem öffentlichen US-Fernsehsender PBS. Der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, rechtfertigte die Proteste. "Diese Wut ist gerechtfertigt und sogar heilig. Sie wendet sich jedoch nicht gegen die Christen weltweit, sondern gegen einige diabolische Kräfte, die an dieser teuflischen Affäre beteiligt sind." Israel wolle mit der Affäre Spannungen zwischen Moslems und Christen erzeugen. Der iranische Botschafter in Wien, Seyed Mohsen Nabavi, bedauerte gegenüber der "Wiener Zeitung" (Mittwochsausgabe) die Ausschreitungen. Zugleich versicherte er, dass Österreich wegen seines derzeitigen EU-Ratsvorsitzes ins Visier des Mobs geraten sei. "Denn Österreich ist ein besonderer Freund des Iran." |
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