Zehn gegen vier

Größter Agententausch seit dem Ende des Kalten Krieges.
So schnell und so öffentlich ist ein Agentenaustausch dieser Größenordnung wohl noch nie über die Bühne gegangen: Die zehn in den USA unter dem Verdacht der Spionage für Russland festgenommenen Männer und Frauen wurden Donnerstagnacht aus den USA ausgewiesen, im Gegenzug lässt Moskau vier als westliche Agenten Verurteilte frei.

Möglich wurde der außergewöhnliche Handel, nachdem sich die zehn russischen Spione vor einem US-Gericht schuldig bekannt hatten. Das Schuldbekenntnis sei Teil einer Abmachung zwischen Anklage und Verteidigung, sagte ein Staatsanwalt zu Beginn der Gerichtsanhörung, bei der alle Verdächtigen anwesend waren.

Abschiebung via Wien
Nach ihrem Schuldbekenntnis wurden die zehn in den USA festgenommenen russischen Spione abgeschoben. In einer gecharterten Maschine wurden die Männern und Frauen laut dem Fernsehsender ABC zuerst nach Wien und dann weiter nach Moskau gebracht. Die Agenten dürften nie wieder versuchen zurückzukehren, sagte ein Richter am Donnerstag in New York.

Wie das US-Justizministerium am Donnerstag mitteilte, erklärte sich die russische Regierung im Gegenzug bereit, vier als westliche Agenten Beschuldigte gegen die zehn in den USA festgenommenen Frauen und Männer auszutauschen.

Innenministerium: "Keine Informationen"
Das Innenministerium hat auch bezüglich der russischen Spione, die von New York über Wien nach Moskau unterwegs sein sollen, "keine Informationen". Sprecher Rudolf Gollia erklärte Freitag früh auf Anfrage der APA: "Das ist nicht unsere Geschichte. Daher kann ich weder bestätigen noch dementieren."

Informanten gewinnen
Die US-Behörden beschuldigten die Mitglieder des mutmaßlichen Spionagerings des Versuchs, politische Entscheidungsträger als Informanten zu gewinnen. Außerdem wird ihnen Geldwäsche vorgeworfen. Letzerer Vorwurf wurde im Rahmen des Deals zwischen Anklage und Verteidigung nun fallengelassen.

Die in den USA Festgenommenen sollen einem elfköpfigen Ring von mutmaßlichen Geheimagenten angehören, der seit den 90er Jahren für den Kreml in den USA spioniert haben soll. Zehn von ihnen wurden in der vergangenen Woche in New York, Boston und Virginia festgenommen. Ein weiterer Mann wurde in Zypern gefasst, ihm gelang allerdings die Flucht.

Nuklearexperte ausgeflogen
Zuletzt hatten sich die Hinweise auf einen Agentenaustausch bereits verdichtet. Medienberichten zufolge wurde der wegen Hochverrats verurteilte Moskauer Nuklearexperte Igor Sutjagin nach Wien ausgeflogen. Der 45-Jährige sei in Wien eingetroffen, sagte der russische Menschenrechtler Ernst Tschorny am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Neben Sutjagin wurden noch Alexander Saporoschski, Gennadi Wasilenko und Sergej Skripalj vom russischen Präsidenten Dimitri Medwedew begnadigt.

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